Buchtipp: Norwegen der Länge nach – 3000 Kilometer zu Fuß bis zum Nordkap…

Buchtipp:

Norwegen der Länge nach –

3000 Kilometer zu Fuß bis zum Nordkap…

Zwei Jahre ist es schon her seitdem das Buch unseres Freundes Simon Michalowicz erschien. Nun geht es schon in die vierte Auflage und ein Abflauen der Beliebtheit des Buches ist nicht abzusehen. Kein Wunder bei diesem sympathischen Kerl, egal ob bei seinen Vorträgen oder auch im privaten Leben. Er ist immer für einen guten Lacher zu haben. Das Buch handelt über die Königsdisziplin unter Norwegens Wanderungen. »Norge på langs« heisst zu Fuß vom südlichsten Punkt am Kap Lindesnes bis zum Nordkap zu wandern – nur wenige haben das bisher geschafft.

Simon Michalowicz, kein durchtrainierter Outdoorprofi und unsicher im Umgang mit Karte und Kompass, möchte sich diesen Traum erfüllen. 140 Tage zieht er durch die Weiten des Fjells, genießt die Magie des skandinavischen Herbstes und beobachtet Polarlichter. Und trotz kaputten Schuhen, verlorenem Zelt und ungeplanten Umwegen geht er beharrlich seinem Ziel entgegen. Ein atemberaubendes Abenteuer, das einem alles abverlangt und zugleich alles bietet, wonach sich ein Wanderer sehnt.

Norwegen der Laenge nach - Buchcover

Foto: Malik Verlag

Leseprobe:

Nach meinem Aufbruch vom Bygdin-Fjellhotel laufe ich schwer bepackt die Straße entlang und starre dauernd auf einen muskulösen behaarten Hintern. Groß und trainiert wiegt er hin und her !

Die Wanderreiterinnen sind zur selben Zeit wie ich gestartet, und nun befinde ich mich inmitten ihrer Karawane. Vor und hinter mir Pferde, schwer beladen mit Gepäck und Reitern. In der Mitte laufe ich alter Packesel und schleppe meine rot-schwarze Schrankwand schwitzend und schnaufend vorwärts – eine filmreife Szene. Kurz überlege ich, die Pferde vor mir lässig zu überholen und den Reiterinnen mal zu zeigen, wer hier der große Wanderer ist. Dann aber geben sie wie von der Tarantel gestochen den Pferden die Sporen und galoppieren davon. Ich bin wieder allein. Rechts neben mir liegt der riesige Vinstre-See, etwas weiter dahinter kann ich sogar das Gipfelkreuz des Bitihorns sehen, die Sonne scheint. Einige Kühe stehen auf der bunten Sommerwiese und lassen sich das frische Gras schmecken Kuh sein mit dieser Aussicht – nicht schlecht im Vergleich zu den armen Viechern, die ihr Leben lang im Stall stehen müssen.

Simonpatur - Zelt

Foto: www.simonpatur.de

 

Nach zwölf Kilometern kehre ich in einer alten umgebauten Alm ein. In Hageseter gibt es für mich frische Pfannkuchen mit Marmelade und reichlich rømme , der norwegischen Variante der sauren Sahne, die stets zu Waffeln und auch gerne zu Pfannkuchen gereicht wird. Dazu genieße ich den Ausblick von der Terrasse auf den See. Dank der Kaffee-Flatrate verweile ich hier länger als geplant. Mein Tagesziel, die DNT -Hütte Oskampen, sei etwa fünf Stunden zu Fuß entfernt, gibt man mir beim Verlassen von Hageseter noch mit auf den Weg. Das könnte knapp werden, denke ich, während ich mich zurück auf die staubige Straße begebe. Wenig später verlasse ich sie, um dem DNT -Wanderweg zur Hütte zu folgen. Eine kurze Pause macht mich zum glücklichsten Wanderer in Norwegen: Der Blick zurück auf den See, die warme Sonne im Gesicht und um mich herum das saftige Grün – jegliche Zweifel sind plötzlich verflogen. Mir geht es richtig gut!

Simonpatur - Weitblick

Foto: www.simonpatur.de

 

Entgegen der Prognose von heute Mittag erreiche ich bereits nach vier Stunden die Oskampen-Hütte. Außer mir ist niemand hier. Im Hüttenbuch finde ich einen Eintrag von Martin, der hier ebenfalls vorbeigekommen ist. Von seinen Träumen zu lesen und den Abbruch seiner Reise im Hinterkopf zu haben stimmt mich nachdenklich. Ich bin wirklich froh über jeden Tag, den ich ohne größere Probleme schaffe, und bleibe optimistisch – mal sehen, wie weit ich komme. Schließlich will ich die Tour genießen und mich nicht immer in Selbstzweifeln verlieren. Während ich die obligatorische Dose Ananas löffle, bewundere ich den Ausblick auf Jotunheimen. Wer auch immer die Plätze für die DNT -Hütten aussucht, die Leute verstehen ihren Job! Bevor sich die Sonne hinter den Bergen vom Tag verabschiedet, taucht sie die Hütte und die Umgebung in ein unfassbar warmes Licht. Als sie ganz verschwunden ist, verziehe ich mich nach drinnen und lasse den Abend bei einem Kaffee ausklingen.

Simonpatur - Auf Bohlen

Foto: www.simonpatur.de

 

Die nächsten Tage haben es wieder in sich : Nach 27 Kilometern muss ich in SkÃ¥bu feststellen, dass der Supermarkt bereits am Nachmittag geschlossen hat. Ein bisschen frustriert schlage ich mein Zelt auf dem nächsten Campingplatz auf, wo ich zum Glück zu einer heißen Dusche und schließlich doch noch zu einer Cola komme.

Simonpatur - Flussueberquerung

Foto: www.simonpatur.de

 

Auch tags darauf laufe ich wieder mit aller Kraft gegen die Straße an : Meine Füße schmerzen so schlimm, dass jeder Schritt zur Qual wird. Nach ungefähr 15 Kilometern in der Sonne geht schließlich gar nichts mehr. Im Schatten einer Birke werfe ich den Rucksack zur Seite und dämmere im Gras vor mich hin. Auf einmal höre ich Geräusche neben mir. Die Birke steht vor einer alten Holzkirche im Ohrtchen Kvikne direkt an der Straße, und als ich die Augen aufschlage, steht ein älteres Paar vor mir, das mich verwirrt anschaut. Zum x-ten Mal erkläre ich, dass ich zum Nordkap laufe, woraufhin die beiden unbedingt ein Foto für ihr Urlaubsalbum knipsen wollen. Es ist schon ein komisches Gefühl, sich vorzustellen, dass die Leute nach ihrem Urlaub daheim in Holland sitzen und ihren Verwandten zu erklären versuchen, was der merkwürdige Typ mit dem roten Bart in ihrem Album zu suchen hat.

Simonpatur - Yeah

Foto: www.simonpatur.de

 

Nach dem Erinnerungsfoto schultere ich wieder meinen Rucksack. Auf den nächsten elf oder zwölf Kilometern nach Vinstra habe ich das Gefühl, dass alle norwegischen Trolle gleichzeitig mit ihren kleinen Messern auf meine Fußsohlen einstechen. Erst ein Cola-Opfer in Vinstra kann sie etwas besänftigen ! Den Legenden nach kommen Trolle normalerweise nur in der Dunkelheit und im düsteren Wald zum Vorschein. Ihr weltliches Ebenbild trifft man in Norwegen aber auch am Tag: und zwar in jedem Souvenirladen. Mit ihrer langen Knubbelnase und dem zerfurchten Gesicht sehen sie zum Fürchten aus, besonders im Mondlicht scheint sich jeder Felszacken und jedes große Astloch in dieses fabelhafte Wesen zu verwandeln. Eigentlich sind sie ja gutmütig, aber wehe, man bringt sie gegen sich auf, dann trifft einen ihr unbändiger Zorn. Vermutlich haben sie sich letzte Nacht in meine Stiefel verirrt, um dort ein Nickerchen zu halten. Beim Laufen ging ihnen dann wohl der Geruch und die Enge darin gegen den Strich, sodass sie mich den ganzen Tag lang unentwegt gepiesackt haben. Als ich die Stiefel im Schatten auszog, um mir im Laden eine Cola zu kaufen, nutzten sie offensichtlich die Gelegenheit, um das Weite zu suchen.

Verlosung – 

Wir verlosen 4 Bücher “Norwegen der Länge nach…”

mit persönlicher Widmung von Simon Michalowicz.

Norwegen der Laenge nach - Buchcover

Foto: Malik Verlag

 

Die Teilnahme ist ganz einfach:

Beantworte uns unten als Kommentar beide nachfolgenden Fragen:

1. Wo warst Du schon in Norwegen oder würdest gerne wandern?

2. Falls Du schon in Norwegen wandern warst: Was war dein schönstes Erlebnis dabei?

    Für alle Nicht-Norwegenbesucher: Was war dein schönstes Wandererlebnis bisher?

Das Gewinnspiel läuft bis 31. Mai 2017 (23:59 Uhr MEZ)!! Danach werden wir die Gewinner/-innen hier und auf der Facebookseite veröffentlichen!

Die Teilnahmebedingungen findet Ihr Hier!

Euer Schöne Bergtouren Team

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Norwegen der Länge nach –

3000 Kilometer zu Fuß zum Nordkap

Simon Michalowicz

272 Seiten, 67 meist farbige Abbildungen

eine Übersichtkarte

Klappenbroschur

Format 18,2 x 12,8 cm

ISBN: 978-3-492-40587-4

4. Auflage 2017

Quelle: Malik Verlag

Schöne Bergtouren Team

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