Buchtipp: Mount St. Elias – Die längste Skiabfahrt der Welt

Mount St. Elias –

Die längste Skiabfahrt der Welt

Ich möchte euch hiermit das schon im Januar 2010 im Tyrolia Verlag von Axel Naglich und Joachim Rienhardt erschienene Buch “Mount St. Elias – Die längste Skiabfahrt der Welt” vorstellen.

Abenteuer Berg & Ski extrem

Die packende Story zum gleichnamigen Film

“Es war von Anfang an klar: Du wirst Entscheidungen treffen, die deine normale Schwelle überschreiten. Du willst was Großes machen, dann musst du was Großes hergeben, dann musst du was Großes leisten, dann musst du einmal mehr riskieren …”

Er ist ein schnee- und eisbedeckter Berggigant, hoch über dem Golf von Alaska, einer der entlegensten Regionen unseres Planeten. Nirgendwo sonst finden sich Steilflanken in dieser Dimension: 5489 Höhenmeter auf 25 Kilometern Distanz, eine einzigartige Linie vom Gipfel hinab bis direkt ans Meer. Durch seine Lage ist er unberechenbar: Heftige Stürme, extreme Kälte bis zu -40°, meterhoher Neuschnee innerhalb von Stunden und ständige Lawinengefahr können ihn von einem Moment zum anderen zur weißen Hölle machen. Wer diesen Berg besteigen will, muss mit allem rechnen. Erst recht, wer davon träumt, zum ersten Mal seine bis zu 60° steilen, von Spalten zerfurchten Gletscherflanken mit Skiern zu befahren.

Der Mount St. Elias ist für die Tiroler Skialpinisten Axel Naglich und Peter Ressmann der Traum von der längsten Skiabfahrt der Welt. Ein Traum und eine einzigartige Herausforderung, der sie sich im Jahr 2007 stellen. Gemeinsam mit einem Filmteam brechen Sie auf zu einem “der letzten Abenteuer in einer überzivilisierten, doppelt und dreifach versicherten Welt” (Axel Naglich) Und sie wissen bis zum Schluss nicht, wie es ausgehen wird …

Buchbonus: Die Vorgeschichte, die Hintergründe, die tollsten Bilder

Das Buch zum gleichnamigen Film von Gerald Salmina erzählt die packende Geschichte von außergewöhnlichen Menschen auf einem außergewöhnlichen Berg. Es ist hautnah mit dabei bei den Tief- und Höhepunkten der Expedition und des Filmdrehs, doch es blickt auch hinter die Kulissen. Da geht es um die dramatische Geschichte des Berges, seine Entdeckung, seine legendäre Erstbegehung durch den Herzog der Abruzzen oder die Tragödie um ein Team amerikanischer Bergsteiger, die schon 2002 eine Befahrung mit Skiern wagten und damit eine der größten Rettungsaktionen der USA auslösten. Und es geht darum, wie ein so ehrgeiziges Bergfilmprojekt überhaupt entstehen und umgesetzt werden kann, welche Wechselwirkungen zwischen der Filmcrew und den Alpinisten bestimmend sind und welche Konsequenzen das auch für die Entscheidungen am Berg hat. Dazu machen die atemberaubenden Bilder den Irrwitz und die Schönheit dieses tollkühnen Abenteuers immer wieder neu erlebbar.

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Leseprobe:

» Dieser Berg schreibt seine eigenen Geschichten «

Über Nacht ist der Atem zu Reif an das Innere des Biwaksacks gefroren. Jetzt rieselt er in Flocken wieder herab, schmilzt auf dem Gesicht und läuft in kleinen kalten Bächen in den Kragen. Bereits der Versuch, sich mit der Hand zu schützen, wird bestraft. Allein bei der kleinsten Regung kommt noch eine Ladung mehr von oben. Als ob es nicht schon kalt und ungemütlich genug wäre, hier draußen in der endlosen Weite Alaskas, irgendwo nahe der Grenze zwischen USA und Kanada, im Niemandsland aus Eis und Schnee, in etwa 4600 Meter Höhe. Es hat 30 Grad minus. Zum Glück sind die Füße im Schlafsack noch richtig warm. Aber in den restlichen Körper dringt die Kälte jetzt, in den frühen Morgenstunden, durch jede Pore bis auf die Knochen.

Zum Glück habe ich in dieser Nacht ein paar Stunden gut geschlafen, in diesem unwirtlichen Lager, das wir uns gestern spätabends völlig erschöpft noch mit Pickel und Lawinenschaufel in den Steilhang dieses elenden Berges getrieben haben. Eine kleine Nische für meinen Kameraden Peter Ressmann, den alle Resl nennen, und mich. Eineinhalb Meter breit, zwei Meter lang. Es sieht ein bisschen aus wie ein Sarg in Weißblau. Die Lage von Jon, Beat, Volker, Günther und Phil neben uns ist auch nicht besser. Über uns thront ein mächtiger Eisbruch. Unter uns klafft eine Gletscherspalte.

Es ist 7.30 Uhr. Der Wind bläst von Nordost. Starr vor Kälte und Müdigkeit möchte jeder von uns einfach nur liegen bleiben. Schon ein kleiner Blick durch einen Schlitz nach draußen genügt, um die Ungewissheit zu befeuern. Und die Angst. Die Angst davor, dass unsere Niederlage besiegelt ist. Dass wir uns völlig vergebens bis hier herauf gequält haben. Dass wir es nicht schaffen, unseren Traum zu verwirklichen, dem wir die letzten drei Jahre gewidmet haben: Es geht nicht nur darum, den Gipfel des Mount St. Elias zu besteigen, den zweithöchsten Berg der USA. Es geht vor allem um die Herausforderung, von diesem Berg auf Skiern wieder hinunterzufahren. Hinab bis an den Golf von Alaska, 37 Kilometer wildes Gelände mit Steilhängen, die an kilometerhohen Abbrüchen enden. Insgesamt 5489 Meter Höhendifferenz auf Ski – ein Weltrekord. Das hat zuvor noch niemand geschafft. Versuche gab es. Nur bislang hat es keiner überlebt. Dieser Berg kann Helden machen. Aber er droht auch mit dem Tod.

Jetzt aber ist der Nebel so dicht, dass ich kaum noch die Umrisse von Resls Biwaksack erkennen kann, obwohl er direkt neben mir liegt. Dabei war die Wetterprognose geradezu perfekt. Und sie kam von keinem Geringeren als Karl Gabl, Leiter der Tiroler Außenstelle der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik in Innsbruck. Er ist nicht nur promovierter Meteorologe, er hat als staatlich geprüfter Berg- und Skiführer selbst einige Expeditionen geleitet. Und er hat von seinem warmen Büro am Flughafen Innsbruck zum Gelingen ungezählter Abenteuer als stiller Held beigetragen. Auch bei den großen Stars der Alpinszene. Bei Reinhold Messner, bei Hans Kammerlander, bei den Brüdern Thomas und Alexander Huber – Gabl ist ein kleiner Gott für deutschsprachige Expeditionen an den wildesten Bergen der Welt, einer der Besten seines Fachs. Einer, der weiß, welches Wetter man braucht am Berg.

Für uns ist es, als wäre er hier beim Team. Im Herzen ist er mit dabei, fiebert mit. Gestern erst, spät in der Nacht, haben wir zuletzt mit ihm telefoniert. Erst in zwei Tagen sollte das verdammte Aleuten-Tief wieder da sein. Per Satellitentelefon sind wir auch jetzt in Kontakt. Die Vorhersage ist ihm peinlich. Doch was soll er tun?

Wir bleiben erst einmal liegen, obwohl wir uns fast alles abfrieren. Dann treibt uns die volle Blase raus aus dem vergleichsweise gemütlichen Schlafsack. Wasser kochen, Heidelbeer-Müsli essen. Und frieren. Es ist nicht der Moment für große Kommunikation. Doch dann, so gegen 9 Uhr, wird es plötzlich heller. Plötzlich ist die Sonne da. Wir sehen sogar unser Vorgeschobenes Basislager von hier aus, gut und gerne 1600 Meter unter uns. ABC sagen wir zu dem wilden Zeltlager, neben dem wir eine Höhle für Küche, Vorräte und Material gegraben haben.

Es sind insgesamt mehrere Tonnen. Denn mein Traum ist es, dieses ganze Unternehmen zu filmen. Die gesamte Expedition an diesem monumentalen Berg. Und natürlich die ganze Abfahrt bis hinunter ans Meer. Wir haben für das Projekt sogar die österreichische Filmförderung begeistern können. Deswegen sind jetzt Leute mit hier oben, die vielleicht besser nicht dabei wären. Fotografen, ein Kameramann, Bergführer als Helfer zum Tragen. Insgesamt sind wir sieben Mann. Das geht nicht nur zu Lasten der Geschwindigkeit. Das erhöht vor allem den Druck ungemein. Die Expedition ist zum Erfolg verurteilt, wenn wir nicht wollen, dass uns alle beim Scheitern zuschauen. So haben wir allein schon drei Wochen da unten im Vorgeschobenen Basislager ausgeharrt, Vorbereitungen getroffen für den Angriff. Und gelauert auf den richtigen Moment, der jetzt gekommen scheint. Was soll jetzt noch schiefgehen? Jetzt können wir sogar den Gipfel sehen. Also: zusammenpacken, Rucksack auf, losgehen.

Wir kommen gut voran. Schon um 11 Uhr sind wir am Fuß der letzten Flanke. Die sieht nicht einmal so schlimm aus wie vermutet. Wenig Blankeis. Und nicht so steil wie befürchtet, vielleicht 45 bis 50 Grad. Es wird sogar Spaß machen, auf ihr abzufahren. Freude kommt auf. Endlich wieder ein entspanntes Lachen. Vor dem endgültigen Aufbruch zum Gipfelsturm noch eine letzte, kurze Pause. Trinken, Power-Riegel essen. Dann jedoch der niederschmetternde Blick Richtung Meer: Wolken ziehen herauf. Zuerst wandern sie über den Gipfel, dann ziehen sie sich am Himmel zusammen. Innerhalb von 15 Minuten stehen wir im dichten Nebel. Das Funkgerät spinnt mal wieder, wie immer, wenn es richtig kalt wird, macht der Akku Probleme. Dann endlich kommt Gerald Salmina zu uns durch. Er ist der Regisseur, der eigentlich alles filmen soll. Er hat sein Basislager in der Icy Bay Lodge, einer Blockhütte an der Küste, wo mit ihm auch der Hubschrauber wartet, gut 40 Kilometer entfernt.

Bildergalerie von der Expdition am Mount St. Elias

Axel Naglich and Peter Ressmann - Mount St. Elias

Bild 1 von 31

Die Expeditionsmannschaft macht eine kleine Pause - Foto: Beat Kammerlander

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Die Autoren:

Axel Naglich, geb. 1968, Extrem-Skialpinist und selbstständiger Architekt in Kitzbühel, ist am Fuß der Streif in Kitzbühel aufgewachsen. Nach vielen erfolgreichen Jahren im internationalen Ski-Wettkampf-Zirkus wendet er sich seit 2000 nach dem Motto “Nicht die Schnelligkeit ist nun die Devise, sondern Beharrlichkeit und der Glaube an sich selbst” verstärkt dem extremen Ski-Alpinismus zu. Viele Ski-Erstbefahrungen in den Alpen, im Kaukasus sowie in Neuseeland sowie Expeditionen in den Himalaja, Iran und nach Alaska. Etliche Foto- und Filmproduktionen im Zusammenhang mit Skifahren und FreeSki.

Joachim Rienhardt, 1959 in Stuttgart geboren, beruflich als Auslandskorrespondent des Magazin “Stern” rund um den Globus unterwegs, privat  fasziniert von allem, was mit Berg & Ski zu tun hat. Mit Axel Naglich verbindet ihn eine jahrelange Freundschaft. Gründliche Recherche und authentisches, unmittelbares Erzählen verbinden sich in seinem Buch zu einer fesselnden Story.

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“Mount St. Elias – Die längste Skiabfahrt der Welt”

Axel Naglich, Joachim Rienhardt

Eine wahre Geschichte von Axel Naglich, aufgezeichnet von Joachim Rienhardt

240 Seiten, 106 farbige Abbildungen,

15 x 22,5cm, gebunden mit Schutzumschlag

ISBN :  978-3-7022-3065-4

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Weitere Infos finden Sie hier:

www.mountstelias.com

www.tyrolia-verlag.at

Quelle: Tyrolia-Verlag

Schöne Bergtouren Team

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