DVD-Tipp: “Nanga Parbat – Der Film” endlich auf DVD erhältlich…

Nanga Parbat – Der Film –

endlich auf DVD erhältlich…

Am 05. November 2010 erschien endlich der Film “Nanga Parbat – Der Film” auf DVD.  Zwei Brüder. Ein Berg. Ihr Schicksal. Schon als Kinder setzen sich die Brüder Günther und Reinhold Messner das Ziel, irgendwann den über 8.000 Meter hohen “nackten Berg”, Nanga Parbat, im Himalaya, zu besteigen. Unter der Führung des Expeditionsleiters Dr. Karl Maria Herrligkoffer (Karl Markovics) bekommen sie 1970 die Chance. Reinhold Messner ist zu diesem Zeitpunkt 25 Jahre alt, sein Bruder erst 23. Auf der legendären Rupalwand will eine internationale Bergsteiger-Elite den Berg erobern.

Foto: Senator Film

 

Reinhold Messner (Florian Stetter) fasst nach einer Schlechtwetterwarnung den Entschluss die Bergspitze alleine zu erreichen. Der jüngere Bruder, Günther (Andreas Tobias), der über weniger Erfahrung verfügt, folgt Reinhold Messner. Beim Abstieg beginnt der Kampf ums überleben, Günther wird höhenkrank. Nur Reinhold kehrt lebend ins Tal zurück…

Interview mit Reinhold Messner

„Ich bin weniger durch meine Erfolge der geworden, der ich heute bin, als viel mehr durch mein häufiges Scheitern.“

Wie war die Zusammenarbeit zwischen Ihnen und Joseph Vilsmaier?

Wir haben uns auf eine schwierige Expedition begeben und sind eine Seilschaft geworden. In NANGA PARBAT geht es um zeitlose Emotionen, die weltweit nachempfunden werden können, um Kameradschaft, Gipfelerfolg, um Lawinengefahr und Überleben bis zum letzten. Ich bin überzeugt, dass uns in dieser Seilschaft ein starker Film gelungen ist. Der 70jährige Vilsmaier hat sich sogar als junger Bergsteiger herausgestellt. Von Anfang an entwickelt sich ein intensives Vertrauensverhältnis zwischen uns. Uns war klar, dass wir uns dem Berg gegenüber zurücknehmen müssen.

Was war Ihnen besonders wichtig?

Hier geht es in keiner Weise um eine heldenhafte Geschichte, sondern ich will selbstkritisch hinterfragen, was am Nanga Parbat passiert ist und ich bin ganz der Meinung von Joseph 23Vilsmaier, die besten Drehbücher schreibt das Leben. Wir brauchen nur das erzählen, was passiert ist, um starke Emotionen im Zuschauer zu wecken.

Inwieweit haben Sie die Ereignisse von damals, den Tod Ihres Bruders, verarbeitet, wie schwer war
es für Sie, diesen Film zu drehen?

Die Ereignisse am Nanga Parbat bleiben natürlich immer Teil meiner Verantwortung und auch Teil meiner Erinnerung, da geht kein Jota verloren. Aber ich hatte Zeit, habe mehrere Bücher über diese Geschichte geschrieben, bin wiederholt, ja dutzende Male zum Nanga Parbat zurückgekehrt und habe dort mit einer eigenen Stiftung den Einheimischen Schulen und eine kleine Krankenstationen gebaut. Ich bin mehr oder weniger im Reinen mit dieser Tragödie, aber es ist unvermeidlich, die Belastung bleibt. Bis zum Nanga Parbat war ich ein fanatischer Felskletterer, das sage ich mit Selbstkritik. Nachher wurde ich ein professioneller Höhenbergsteiger. Ich konnte meinen Bruder nicht mehr lebendig machen und deswegen habe ich weitergemacht und mein Leben den großen Abenteuern verschrieben und bin viel geradliniger weitergegangen als vorher. Ich bin weniger durch meine Erfolge der geworden, der ich heute bin, als vielmehr durch mein häufiges Scheitern.

Wie sind Sie zum Bergsteigen gekommen und was ist die Faszination am Bersteigen?

Ich bin in den Dolomiten groß geworden, in den schönsten Bergen der Welt und als Kind zum Klettern gekommen mit den Eltern, habe langsam die Schwierigkeiten gesteigert. Erst waren die schwierigsten und größten Wände in den Alpen meine Herausforderung, dann wurden es die höchsten Wände der Welt, eben die Rupalwand am Nanga Parbat, ein ganz besonderer Berg, ein schwieriger Berg, ein Mythos. Für Laien ist diese Leidenschaft nur sehr schwer zu erklären. Wir gehen freiwillig in die gefährlichsten Zonen der Erde, dorthin wo Stürme, Lawinen, Steinschlag und die sauerstoffarme Luft uns umbringen könnten. Wir gehen dahin, um nicht umzukommen. Wer selbst dieser Leidenschaft verfallen ist, versteht, dass die „Eroberung des Nutzlosen“ auf der anderen Seite eine der faszinierendsten Möglichkeiten ist, sich selbst und die Welt kennen zu lernen, sich selbst in die Natur hineinzubegeben und diese als etwas Reales, wenn auch Gefährliches wahrzunehmen.

Warum kommen Sie vom Zauber des Bergs nicht mehr los?

Der Berg ist eine archaische Welt, da gibt es keine Regeln. Die machen wir uns sukzessiv selber, wenn wir hinaufsteigen. Eine bestimmte Wand mit einer bestimmten Schwierigkeit bedeutet eine gute Note in der Schule. D.h. wir werden gefordert von der Möglichkeit hinauf- und wieder herunterzukommen. Die große Crux des Bergsteigens – ich benutze jetzt ein Zitat von Gottfried Benn – ist die Kunst des Überlebens, dort wo es gefährlich ist. Bergsteigen ist der Widerstand gegen den herausgeforderten Tod. Wir wissen sehr wohl, dass wir dabei umkommen können und wir setzen trotzdem alles ein, was wir an Energie haben, an Zeit, an Mitteln, um diesen Wunsch zu realisieren. Die Kunst dabei ist, nicht umzukommen. Um es kurz zu machen: Der beste Bergsteiger ist der, der die verrücktesten Sachen wagt, aber dabei nicht umkommt.

Warum muss man immer höher, was sind die Strapazen auf einem Berg?

Man muss nicht immer höher, man kann. Wenn ich mich den Höhen von 8000 Metern und mehr nähere, der berüchtigten Todeszone mit so geringem Sauerstoff und Spartialdruck, dass der Mensch keine Kraft mehr hat, weil kein Sauerstoff mehr zum Blutzucker kommt, das Gehirn leer ist und wie mit Watte gefüllt, dann wird es problematisch. Wir Menschen sind nicht geschaffen für diese Höhen, dazu ist es auch noch kalt, 40 Grad Minus, manchmal Stürme mit über 100 Stunden km, die einen Menschen einfach vom Grat wehen können, dazu die Lawinengefahr, der Steinschlag, die Orientierungslosigkeit, ein Chaos. Wir tun das ja freiwillig. Wir kommen dann und wann in eine Notlage und versuchen, aus dem Überlebensinstinkt heraus, dieser Extremsituation wieder zu entkommen.

Spielt beim Extrembergsteigen auch die Suche nach Ruhm und Anerkennung eine Rolle?

Natürlich brauchen auch Bergsteiger Anerkennung, sie suchen auch Aufmerksamkeit und haben ein Recht auf Anerkennung. Aber allein die Ruhmsucht reicht nicht aus, die Motivation zu speisen, die uns auf den Gipfel bringt. Wenn da nicht die Begeisterung dahinter steht, dann wird früher oder später jeder und jede aufgrund der Kälte, der Anstrengung oder der Hoffnungslosigkeit aufgeben.

Plagt Sie nicht manchmal das schlechte Gewissen gegenüber Ihrer Familie? Ist es nicht ein Egoismus, sein Leben aufs Spiel zu setzen?

Erst einmal: Niemand von uns setzt sein Leben leichtsinnig aufs Spiel. Wenn wir uns entscheiden, in die Gefahr zu gehen, ist natürlich die Möglichkeit, zu sterben nicht Null, aber unser Ziel ist das genaue Gegenteil. Die meisten Bergsteiger heute haben überhaupt keine Familie, sind also auch weniger verantwortlich für Dritte. Meine Familie lebt mit der Tatsache, dass ich ein Extrembergsteiger bin, heute allerdings weniger. Natürlich war es für meine Eltern schwierig, den Tod ihres Sohnes Günther zu verkraften, aber das ist Teil des Lebens. Und es mag wie eine Ausrede klingen, aber ich habe auch weiterhin das Recht, mein Leben zu leben, auch wenn ich in eine Familie eingebunden bin. Es ist sehr schwierig auf solche Fragen zu antworten, weil wir nicht verallgemeinern dürfen. Wenn jemand leichtsinnig sein Leben riskiert, ist das natürlich fatal, aber das ist nicht der Normalzustand, wir alle haben eine Selbsterhaltungstrieb, tragen selbstverständlich Verantwortung für unsere Familie. Trotzdem sind Todesfälle unter Bergsteigern nicht alltäglich, aber sie kommen vor. Aber auch normale Familienväter sterben beim Autounfall oder aus 100 anderen Gründen. So groß ist der Unterschied nicht.

Empfanden Sie jemals Angst vor dem Absturz und vor dem Tod?

Wir sind ganz normale Menschen und gar nicht mit übermäßigem Mut ausgestattet, im Gegenteil, die Angst sagt uns bis hier her und nicht weiter. Weil wir eben Angst vor dem Absturz haben und noch mehr Angst vor dem Tod. Ein Bergsteiger, der nur aus Mut besteht und keine Angst kennt, lebt nicht lange. Ich sehe die beiden Werte als eine Einheit. Mut ist nur die andere Hälfte der Angst. Hätte ich keine Angst, bräuchte ich keinen Mut.

Denken sie bei einer Bergbesteigung bewusst über die Risiken nach?

Risiken beschäftigen mich Wochen, nein monatelang bevor ich aufbreche. Ein Bergsteiger, der die Risiken nicht kennt, tappt in die Falle. Der beste Bergsteiger ist der, der die Risiken bis ins letzte Detail kennt und ihnen ausweicht. Zum Bergsteigen gehören drei Zutaten – einmal die Schwierigkeiten, die es zu überwinden gilt, die Gefahren, denen es auszuweichen gilt und dann die Exposition, d.h. das Ausgesetztsein jenseits aller Rettungsmöglichkeiten. Und wegen dieser Exposition, wegen der Schwierigkeit und Gefährlichkeit sind große Abenteuer, große Erschütterungen bei diesen Expeditionen möglich. Und um die geht es ja zu guter letzt.

Wie schmal ist der Grat zwischen Leichtsinn und Vernunft?

Je steiler die Wände, je höher die Berge, umso schmaler ist der Grat zwischen durchkommen und umkommen. Nichts aber hat mich so erschüttert wie das jeweilige Zurückkommen, das Zurückkommen zu den Menschen. Das Obensein ist immer nur ein kurzfristiges. Wir sind ausgeliefert, da oben ist alles viel zu eng. Unten wartet die Sicherheit, dahin fliegen wir förmlich zurück. Als ich 1978 vom Nanga Parbat nach dem Alleingang heruntergekommen bin, war das wie eine Wiedergeburt, im grünen Tal bei den Wasserquellen zu sein, in der Wärme und bei den Einheimischen, in absoluter Erschöpfung den Gesang der Vögel und das Summen der Insekten zu hören. Da wird klar, dass das Leben, das nackte Leben unser größtes Gut ist, das wir ausfüllen wollen mit unseren Gaben, unserer Fähigkeit und unserer Begeisterung.

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Das Buch zum Film:

Foto: Malik

 

“Vor 40 Jahren, am 27. Juni 1970 gelingt den beiden jungen Südtiroler Brüdern Reinhold und Günther Messner erstmals die Durchsteigung der Rupalflanke am Nanga Parbat, der mit 4500 Metern höchsten Fels- und Eiswand der Welt. Doch der Abstieg über die unbekannte andere Seite ins Diamirtal endet tragisch mit Günthers Lawinentod. Auf Betreiben des Expeditionsleiters werden die wahren Umstände der Tragödie unterschlagen, Reinhold Messners direkt nach der Katastrophe verfasster Bericht wird verboten.
Messner wird zum Ziel jahrzehntelanger Rufmordkampagnen, den jüngeren Bruder seinem Ehrgeiz geopfert zu haben – Angriffe, die auch dann nicht zum Erliegen kommen, als der Nanga Parbat Günthers sterbliche Überreste freigibt und Messners Darstellung gerichtlich bestätigt wird.”

Jetzt ist sein bis heute hoch gehandelter Originalbericht »Die rote Rakete«, (genannt nach dem irreführenden Leuchtsignal, das den Messner-Brüdern die Wetterentwicklung anzeigen sollte), erstmals wieder erhältlich. Reinhold Messner äußert sich in einem neuen Vorwort zu der Situation damals und heute.

“Die rote Rakete am Nanga Parbat” ist die Grundlage für den aktuellen Kinofilm “Nanga Parbat” unter der Regie von Joseph Vilsmaier.

Buchvorstellung “Reinhold Messner – Die Rote Rakete am Nanga Parbat” hier auf Schöne Bergtouren

Foto: Tyrolia

Das Nanga-Parbat-Puzzle

Fakten, Fragen, Hintergründe zur Messner-Tragödie von 1970

Die Geschichte um Reinhold Messner und den Tod seines Bruders Günther 1970 am Nanga Parbat. Eine Tragödie voller Widersprüche, begleitet von Kontroversen, Verdächtigungen und Schuldzuweisungen. Die Öffentlichkeit hat von dieser Geschichte stets nur die medienwirksamen Spitzen wahrgenommen, wie etwa zuletzt den Spielfilm “Nanga Parbat” von Joseph Vilsmaier. Die eigentlichen Fragen rund um Nanga Parbat 1970 lassen sich damit jedoch nicht wirklich beantworten.

Hatte Reinhold Messner damals die Überschreitung des Berges beabsichtigt? Oder war er auf der anderen Seite des Berges abgestiegen, weil es mit dem höhenkranken Bruder keinen anderen Ausweg gab? Warum hatte Messner nicht eindeutig auf eine Notlage hingewiesen, als zwei andere Expeditionsmitglieder in seiner Nähe vorbeistiegen? Warum hatten diese nicht versucht, ihn zu erreichen? War Günther erst am Wandfuß von einer Eislawine verschüttet worden? Oder war er schon vorher gestorben? Hatte die Expeditionsleitung versagt und versäumt, den verschollenen Messners zu Hilfe zu kommen?

Dokumentarische Spurensuche eines neutralen Beobachters

Jochen Hemmleb greift diese Fragen auf, gibt sich nicht mit einfachen Antworten und medienwirksamer Schwarz-Weiß-Malerei zufrieden – sondern hakt nach: Mit der gebotenen Distanz des unabhängigen Betrachters, mit klarem Blick für die Komplexität der Fakten und mit dem ihm eigenen detektivischen Spürsinn beobachtet und analysiert er die Geschehnisse um die Nanga Parbat Expedition 1970. Er hört die Stimmen aller Beteiligten, deckt Zusammenhänge auf und skizziert Entwicklungen, die die Ereignisse und Protagonisten in einem neuen, differenzierten Licht erscheinen lassen.

Neue Stimmen und unveröffentlichtes Archivmaterial

Erstmals konnte Jochen Hemmleb dabei auch den bekannten Bergfilmer Gerhard Baur für eine ausführliche Stellungnahme zu den Ereignissen gewinnen. In exklusiven Interviews schildert Bauer seine persönlichen Erinnerungen: Er war selbst Mitglied der Expedition 1970 und der Letzte, der Günther Messner sah und mit ihm sprach, bevor dieser sich anschickte, seinem Bruder zum Gipfel zu folgen. Weitere wichtige Puzzleteile zum Verständnis der Kontroverse liefert das sorgfältig recherchierte und teilweise noch unveröffentlichte Archiv- und Bildmaterial aus dem Deutschen Institut für Auslandsforschung – Prof. Dr. Herrligkoffer-Stiftung, welches die Dokumente der Expedition von 1970 bis heute verwaltet.

Ein Fachbuch mit Krimicharakter

So entstand die erste und einzige vollständige und unabhängige Darstellung, wie und warum die Messner-Tragödie zum größten Streitfall in der Alpingeschichte wurde – ein Buch, das unter die Haut geht, packend wie ein Krimi und doch fundiert und akribisch recherchiert wie ein Fachbuch.

Buchvorstellung “Nanga Parbat – Das Drama 1970 und die Kontroverse” hier auf Schöne Bergtouren

Quelle: Salewa

Schöne Bergtouren Team

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