Courmayeur – La Dolce Vita und frischer Powder…

Courmayeur –

La Dolce Vita und frischer Powder…

Ein Winterausflug ins italienische Courmayeur im Aostatal stand an diesem Freitagnachmittag auf dem Plan. Ursprünglich wollten wir dann von Chamonix durch den Mont-Blanc-Tunnel ins Val Ferret fahren um dort eine schöne Schneeschuhwanderung zu machen. Ein Wetterumschwung stand bevor und kräftige Schneefälle wurden vorausgesagt. Wir rüsteten uns mit Schneeschuhequipment und Sachen für einen SPA Besuch und würden in Courmayeur halt improvisieren.

Courmayeur - Italienisches Eis und frischer Powder

Italienisches Eis und frischer Powder in Courmayeur – Foto: Mario Hübner

 

Es hatte angefangen zu schneien, der Verkehr vor dem Mont-Blanc-Tunnel war nicht sehr groß und wir erwarben bald ein 20 Fahrten Abonnements, mit der wir in der nächsten Zeit öfters das Aostatal besuchen wollten. Eine einfache Hin- und Rückfahrt lässt sich die Betreibergesellschaft für einen normalen PKW mit 54,30E (Stand Februar 2016) bezahlen. Mit dem 20er Abonnement kann man für knappe 19E hin- und herfahren. Die Abonnements sind übrigens nicht Personen oder KFZ gebunden, so dass man ein Abo-Sharing machen kann.

Courmayeur - Societa Delle Guide

“Società Delle Guide” das Haus der Bergführer in Courmayeur – Foto: Mario Hübner

 

Nach der Durchfahrt durch den 11,6 Kilometer lange Mont-Blanc-Tunnel erwartete uns kräftiges Schneetreiben. Mit Schnee hatten wir gerechnet, aber so viel Schneefall an einem Tag, hatten wir schon lange nicht mehr gesehen. Hier auf der Südseite des Mont-Blanc-Massivs schneite es deutlich mehr als auf der französischen Seite. Mit deutlich reduzierter Geschwindigkeit fuhren wir ins nicht weit entfernte Courmayeur. Fast 80 cm frischer Powder bedeckte alles und es kam noch jede Menge kam hinzu.

Courmayeur - Weisse Kapuze

Nein das ist kein Bild aus den Südstaaten und auch keine weisse Stoffkapuze – Foto: Mario Hübner

 

Die Straßenräumung kam nicht hinterher, die Parkplätze samt den darauf abgestellten Fahrzeugen waren unter den Schneemassen verschwunden. Zum Glück fanden wir unweit der Fußgängerzone ein Parkhaus. Hardshelljacke an und die Kapuze übergezogen spazierten wir im Schneefall durch Courmayeur. Gleich am Beginn der Fußgängerzone, wenn man aus Richtung Mont-Blanc-Tunnel kommt, gibt es einen kleinen Platz mit der Gelateria “Creme et Chocolat“. Hier hatte ich vor 5 Jahren während der Trekkingtour “Tour du Mont Blanc” sehr leckeres Eis genossen.

Courmayeur - Auto ausgraben

Der KFZ Halter wie viel an diesem Tag benötigte eine Schaufel und Ausdauer – Foto: Mario Hübner

 

Wir ließen es uns nicht nehmen und traten ein. Der Innenbereich war gut gefüllt in der Theke lagen viele Kleinigkeiten zum Kaffee und natürlich gab es wir damals, nur jetzt in der Wintersaison etwas kleiner, hausgemachte Eiscreme. Jeder eine Waffel mit zwei Kugeln und schon waren wir draußen im dichten Schneefall. Das nennen wir “Dolce Vita” und frischer Powder im italienischen Courmayeur. In der schönen Fußgängerzone mit seiner engen Gassen, herrschte trotz des Wetters ein relativ reges Treiben. 30 Minuten Autofahrt von Chamonix entfernt und man fand sich plötzlich in einer ganz anderen schönen Atmosphäre wieder.

Courmayeur - Pizzeria Pan per Focaccia

Das Schild der Pizzeria Pan per Focaccia in Courmayeur – Foto: Mario Hübner

 

Wir bummelten die Fußgängerzone entlang, schauten in die Geschäfte, besuchten einen sehr gut sortierten Bergbuchladen vorbei, wo wir natürlich nicht widerstehen konnten und uns Wanderkarten und einen Schneeschuhführer vom Aostatal zu legten. Überall waren die Einwohner dabei Schnee zu kehren. Sagen wir lieber weg zu schaufeln. Vor der “Società Delle Guide” dem Haus der Bergführer in Courmayeur, von den Treppen der Kirche, vor den Geschäften. Es war wie in einem Wintermärchen, denn überall bedeckte alsbald eine dicke neue Schneeschicht den Boden.

Courmayeur - Pizza

Ein kleiner Snack in der Pizzeria “Pan per Focaccia” in Courmayeur – Foto: Mario Hübner

 

Nachdem wir einmal komplett durch das Zentrum von Courmayeur spaziert waren, suchten wir die Touristinfo auf. Eine Schneeschuhtour konnten wir bei diesem Wetter völlig vergessen. Ohne schweres Gerät oder einem Skidoo würden wir noch nicht mal bis zum Ausgangspunkt einer Schneeschuhwanderung kommen, es sei denn wir wollten mit den Schneeschuhen durch das Zentrum von Courmayeur laufen. Das würde bestimmt lustig aussehen und viel Aufmerksamkeit erregen.

Courmayeur - Weihnachtsbaum

Man könnte glatt denken es ist Weihnachten in Courmayeur – Foto: Mario Hübner

 

In der Touristinfo von Courmayeur erkundigten wir uns nach den Möglichkeiten für ein schönes Abendessen mit regionaler Küche. Sie empfahlen uns die Restaurants in der Altstadt, aber wir wollten irgendwo oben am Berg essen. Das Personal war sehr hilfsbereit und ein, zwei Telefonate später und hatten wir für 20 Uhr eine Reservierung für das “La Chaumière“. Das Restaurant liegt oben am Berg an den Skipisten in Plan Chécrouit (1.704m Höhe) mitten in Courmayeur´ s Skigebiet. Abends kann man von 20 bis 24 Uhr mit der Seilbahn dort hingelangen.

Courmayeur - Eskimo Telefonzelle

Telefonieren mit guter Abdeckung in Courmayeur – Foto: Mario Hübner

 

Draußen schneite es noch immer und der Schnee wurde jetzt mit LKW´s abgefahren. Wir hatten noch einige Zeit zu überbrücken und so entdeckten wir in einer winzigen Seitengasse das Schild der Pizzeria “Pan per Focaccia“. Wir schauten durch das Türfenster und traten in die urigen Räumlichkeiten ein. Dekoration bedeckte all Wände und Flächen. Deckel von Weinkisten, alte Ski, Pfannen, Geweihe und vieles mehr. Wir machten es uns in einer Ecke auf den Holzhockern gemütlich. In der Auslage waren frische Focaccia, Pizzen zu sehen, außerdem konnte man Crêpes bestellen.

Courmayeur - Suchfoto

Suchfoto! Wo ist das Auto? – Foto: Mario Hübner

 

Wir orderten zwei verschiedene Pizzastücken und die Dame wog Sie vor dem Erhitzen ab. Hier wird nämlich nach Gewicht bezahlt. Schon bald saßen wir bei exzellenter Pizza, über den neu erworbenen Karten und Schneeschuhwanderführer vom Aostatal. Die Damen der Pizzeria räumten langsam auf und wir wollten sie als letzte Gäste nicht von ihrem Feierabend abhalten. Hinaus ging es in die Dunkelheit, wo noch immer frischer Powder vom Himmel fiel. Wir schlenderten in die ungefähre Richtung wo sich die Talstation der Seilbahn befinden musste und sahen bald das Bauwerk.

Courmayeur - Talstation der Seilbahn

Wir haben die Talstation der Seilbahn auch ohne Stadtplan gefunden – Foto: Mario Hübner

 

Unser Timing war richtig, denn die nächste Bergfahrt stand kurz bevor. Schnell eine Karte gelöst (Berg- und Talfahrt für 10E) und schon schwebten wir in der großen Kabine über Courmayeur nach Plan Chécrouit. An der Bergstation angekommen stapften wir im dichten Schneefall einfach den anderen Passagieren hinter her. Wir kamen an einigen Restaurants vorbei und etwas weiter entfernt sahen wir oberhalb und unterhalb von uns auch noch beleuchtete Restaurants. Welches war nun das “La Chaumière“? Zum Glück entdeckten wir die Schriftzüge oberhalb eines Skihanges. Was gibt es besseres als gemütlich die normale Skipiste hoch zu laufen? Wenn man im frischen Powder bis zu den Knien hat und Direttissima den Skihang hinaufwaten.

Courmayeur - Restaurant La Chaumiere

Das Restaurant “La Chaumière” in Plan Chécrouit (1.704m Höhe) mitten in Courmayeur´ s Skigebiet – Foto: Mario Hübner

 

Das war gut für den Kreislauf und einen gesunden Durst. Die Terrasse des Restaurants war frisch geräumt, ein Mitarbeiter zündete gerade davor Fackeln an und wir betraten das noch leere Restaurant. Uns störte unser frühes Erscheinen nicht, so hatten wir in Ruhe Zeit mit den Leuten zu plauschen. Das Restaurant “La Chaumière” ist eine schöne renovierte Alpenhütte. Große Fenster zur Terrasse hin und innen eine Mischung aus Holz und Stein, alt und modern, welches eine schöne Atmosphäre ausstrahlt.

Courmayeur - Logo des Restaurant La Chaumiere

Das Logo des Restaurants “La Chaumière” in Courmayeur – Foto: Mario Hübner

 

Wie wir bald anhand der Abendkarte entdeckten, gab es hier gehobene Küche aus frischen lokalen Zutaten mit höchster Qualität. Traditionelle Spezialitäten galt es hier zu entdecken und zu genießen. Alessandra die freundliche und gesellige Inhaberin begrüßte uns persönlich. Sehr aufgeschlossen ist sie selbst ein Kind der Berge und in der Sommerzeit oft darin unterwegs. In der Wintersaison von November bis April lebt sie ihre zweite Leidenschaft die Gastronomie hier im Restaurant “La Chaumière” aus. Im großen Saal und der Terrasse gibt es Gourmetküche und oben in der ersten Etage ist ein Bistro vor allem für die Skifahrer, die nicht zu lange am Tisch bleiben wollen und auch ihr Portemonnaie schonen wollen.

Courmayeur - Saal des Restaurant La Chaumiere

Der Saal des Restaurant “La Chaumière” in Courmayeur – Foto: Mario Hübner

 

Seit 5 Jahren führt Alessandra das Restaurant “La Chaumière” welches nur in der Wintersaison geöffnet hat. Viel Hingabe für die Details, regionale von Alessandra ausgesuchten Weine, lokale Zutaten und die Gerichtskreationen lassen ihre Gäste zufrieden gehen und erneut wiederkehren. Als Vorspeise orderten wir Cannolo di Polenta und Saiblings Carpaccio. Wir probierten und waren angenehm überrascht.

Restaurant La Chaumiere - Cannolo di Polenta

Cannolo di polenta, caponatina di verdure e stracciatella di latte – Foto: Mario Hübner

 

Wir freuten uns auf den Zwischengang: Tortelli gefüllt mit Ricotta an Wildragout und Hausgemachte Bandnudeln mit Fleischtomatensauce und knusprigen Bacon. Unsere Gastgeberin Alessandra kam zwischen den Gängen und erzählte uns von der Realisierung ihres Traumes: Der Eröffnung des Restaurants “La Chaumière”, der sorgfältigen, persönlichen Auswahl ihrer Zulieferer.

Restaurant La Chaumiere - Tortelli di ricotta

Tortelli di ricotta di pecora e limone con ragù di selvaggina – Foto: Mario Hübner

 

Beim Hauptgang wählten wir beide das Tournedos mit frittieren Porree. Welch ein Gedicht für unseren Gaumen. Eigentlich waren wir schon gesättigt, aber wir konnten Alessandras Dessert- und Weinempfehlung nicht wiederstehen und beendeten das spontane Dinner im Restaurant “La Chaumière” mit einem typischen Dessert für diese Gegend genannt “Mont Blanc”: Eine Schokoladenkugel, gefüllt mit Maronencreme, geschlagener Sahne und Baiser.

Restaurant La Chaumiere - Maltagliati fatti

Maltagliati fatti in casa al pomodoro assoluto, tartare di cuore di bue e bacon croccante – Foto: Mario Hübner

 

Zur Bergstation der Seilbahn hin nahmen wir nun die normale gespurte Skipiste, welche bei normalen Wetterverhältnissen mit Fackeln ausgeleuchtet ist. Es schneite immer noch sehr kräftig und überall im Skigebiet konnten wir die Pistenraupen bei der Arbeit beobachten. Die Gondel hinab nach Courmayeur war um die späte Zeit am Abend gut gefüllt. Wir genossen noch den Spaziergang zurück durch die Fußgängerzone. Alles wirkte unter dem dicken weißen Mantel so ruhig und friedlich.

Restaurant La Chaumiere - Tournedos classico alla Rossini

Tournedos classico alla “Rossini” con julienne di porro fritto – Foto: Mario Hübner

 

Der spontan und improvisierte Ausflug nach Courmayeur würde uns noch lange in Erinnerung bleiben. Frischer Powder ohne Ende, La Dolce Vita, das italienische Flair und schließlich die vorzüglichen Kreationen im Restaurant “La Chaumière”.

Bis bald Courmayeur! Wir werden wieder kommen! 🙂

Restaurant La Chaumiere - Monte Bianco di castagne

Monte Bianco di castagne – Foto: Mario Hübner

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Tourentipps, Unterkünfte und sonstige interessante Orte:

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Reiseinfos:

Anreise:
Mit dem Auto: Aus dem Norden kommend erreicht man Courmayeur zu jeder Jahreszeit über Frankreich oder die Schweiz, indem man entweder durch den Mont-Blanc-Tunnel oder durch den Tunnel des Großen Sankt Bernhard fährt.

Zwischen Juni und Oktober besteht darüber hinaus die Möglichkeit, über den Kleinen und über den Großen Sankt Bernhard Pass (Frankreich bzw. Schweiz) anzureisen. Während die Tunnelpassagen gebührenpflichtig sind, sind die Fahrten über die Pässe kostenfrei.

Mit der Bahn:  Direkt bis nach Courmayeur kommt man mit der Bahn nicht. Ab den Turiner Bahnhöfen Porta Nuova und Porta Susa fährt zwar während der Hauptverkehrszeit jede Stunde ein Zug in Richtung Aostatal. Die Gesamtfahrtzeit nach Aosta-Stadt beträgt gut 130 Minuten, inklusive Umsteigen in Chivasso (oder Ivrea).

Eine Anfahrt von Mailand dauert dagegen gut 200 Minuten, ebenfalls inklusive Umsteigen am Bahnhof von Chivasso. Die Abfahrtszeiten der Busse sind in der Regel auf den Fahrplan der Züge abgestimmt.

Mit dem Flugzeug: Über den internationalen Flughafen Genf, welcher sich 115 Kilometer von Courmayeur befindet. Von hier aus am besten mit dem Mietwagen oder Flughafentransfers weiter.

Über den internationalen Flughafen Mailand, welcher sich 230 Kilometer von Courmayeur befindet. Von hier aus am besten mit dem Mietwagen oder mit mehrmaligen Umsteigen per Bahn weiter.

Über den internationalen Flughafen Turin, welcher sich 149 Kilometer von Courmayeur befindet. Von hier aus am besten mit dem Mietwagen oder von der Stadt Turin mit Bus oder Bahn weiter ins Aostatal.

Beste Jahreszeit:
Zum Wandern, Biken und für alle anderen Sommeraktivitäten von Mai bis Oktober. Zum Skifahren, Schneeschuhwandern von Ende November bis Mitte April.

Die Recherche erfolgte mit freundlicher Unterstützung

des Restaurants “La Chaumière”

Text & Bilder: Mario Hübner

Schöne Bergtouren Team

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