Rota Vicentina – Auf dem Fischerpfad an der wilden Costa Vicentina wandern…

Rota Vicentina –

Auf dem Fischerpfad an der wilden Costa Vicentina wandern…

Erster Teil unserer Wanderreise auf dem Weitwanderweg “Rota Vicentina”

Ein gewaltiges Donnern in der Ferne weckte mich unsanft aus meinem Schlaf. Einige Sekunden benötigte ich bis ich wieder wusste, wo ich mich befand. In einem Hotel im Küstenort Porto Covo an der Costa Vicentina in der Region Alentejo in Portugal. Es ist November, die Tage in Deutschland sind kurz, nebelig und kalt. Der Weitwanderweg “Rota Vicentina hatte uns mit der Aussicht auf Sonne, Atlantik und wärmere Temperaturen in den Südwesten an die Küste Portugals gelockt.

Rota Vicentina - Uebersichtstafel in Porto Covo

Unsere erste Etappe auf dem Fischerpfad, ein Teilstück des Weitwanderwegs “Rota Vicentina” beginnt im kleinen Ohrtchen Porto Covo – Foto: Mario Hübner

 

Thor der Donnergott schien uns nicht wohlgesonnen zu sein, den draußen öffnete der Himmel seine Pforten und der Regen strömte auf die Erde. Es war unsere erste Wanderreise mit Wikinger Reisen. Im Katalog “Individueller Wanderurlaub” hatten wir diese 8-tägige Wanderreise entdeckt und beschlossen es einmal persönlich auszuprobieren. Für uns im Voraus gebuchte Unterkünfte mit Frühstück und mit Gepäcktransport. Wir mussten einfach nur unser leichtes Tagesgepäck tragen, den Fernwanderweg “Rota Vicentina” genießen und abends uns ein schönes lokales Restaurant für unser Abendessen aussuchen.

Rota Vicentina - Kleine Einkaufsmeile in Porto Covo

Im November ist es sehr ruhig im kleinen Ohrtchen Porto Covo an der Costa Vicentina in Alentejo, Portugal – Foto: Mario Hübner

 

Gemächlich packten wir unsere Tagesrucksäcke und beim Frühstück blickten wir immer wieder sehnsüchtig aus dem Fenster hinaus. Der Regen wollte aber kein Ende nehmen der ganze Himmel war tiefschwarz. Letztendlich hörte es doch auf und wir starteten auf unsere erste Tagesetappe des 350 Kilometer langen Weitwanderweges “Rota Vicentina”. Die Idee zu dieser Route entstand durch den seit über 30 Jahren in Portugal lebenden Schweizer Rudolfo Müller. 2012 war es dann endlich soweit und die Rota Vicentina wurde eröffnet.

Rota Vicentina - Alter Mann in Porto Covo

Ein alter Mann sammelt, bei Ebbe zwischen den Felsen in Porto Covo, liegengebliebene Tiere wie Garnelen und Oktopus – Foto: Mario Hübner

 

Wir würden nur den sogenannten Fischerpfad (Trilho dos Pescadores, Fisherman´s Trail), den Küstenteil dieses Fernwanderweges laufen, welcher uns rund 75 Kilometer an den Steilküsten und Stränden der Costa Vicentina entlangführen würde. Vom Porto Covo Hotel gingen wir zum Markplatz des ehemaligen Fischerdorfes. In der kleinen Markthalle kann man frisches Obst, Gemüse, Fisch, Honig, Käse, Ohl und viele andere Lebensmittel erwerben. Über Kopfsteinpflaster gingen wir am zentralen Platz mit einer kleinen Kirche und den hellen Häuserfassaden hinunter in Richtung Fischerhafen.

Rota Vicentina - Spuren im Sand

Fußspuren im Sand, in einer der Strandbuchten in Porto Covo – Foto: Mario Hübner

 

In den Sommermonaten herrscht in Porto Covo ein reges Treiben. Viele Touristen, besonders Badeurlauber besuchen die kleinen Strandbuchten zwischen den Felsklippen. Jetzt Anfang November sind die meisten Geschäfte und Restaurants in der Zwischensaison zu. Man trifft hier jedoch einige Touristen aus den Niederlanden und Deutschland, welche zu dieser Jahreszeit mit ihren Caravans die Gegend besuchen.

Rota Vicentina - Starke Brandung

Starke Brandung in den Buchten in Porto Covo – Foto: Mario Hübner

 

Nach unserem kleinen Rundgang durch den Ort wählten wir nicht sofort den direkten Weg, sondern besuchten die kleinen die kleinen Strandbuchten. Momentan herrschte Niedrigwasser und an dem leeren Sandstrand sahen wir einen alten Mann mit Gummistiefeln zwischen den Felsklippen umherklettern. Beim näher kommen fragten wir was er denn fangen würde. Portugiesisch verstanden wir nicht, aber er zeigte uns den Inhalt seines Eimers. Er hatte einen Tintenfisch und eine Garnele zwischen den Felsklippen gefunden.

Rota Vicentina - Naechste Regenschauer

Der nächste Regenschauer an der Costa Vicentina ist im Anflug – Foto: Mario Hübner

 

Bei Ebbe bleiben öfters Meerestiere in kleinen Wasserpfützen zwischen den Felsen hängen. Er zeigte uns noch einen natürlichen Durchgang unter den Felsklippen zu einem benachbarten Sandstrand. Der Atlantik war aufgewühlt, die Wellen rollten gegen die Felsküste und liefen hier am Sandstrand aus. Das Meerwasser war zu dieser späten Jahreszeit noch sehr warm. Zur gleichen Zeit begann es wieder von oben an zu regnen. Kurz nach dem Mittag kamen wir dann endlich los in Porto Covo.

Rota Vicentina - Kleines Eiland

Das kleine Eiland bei der Festung “Forte da Ilha” nicht weit von Porto Covo entfernt – Foto: Mario Hübner

 

Die blaugrünen Markierungen der Rota Vicentina führten uns hinab in den kleinen Fischerhafen von Porto Covo. Wir durchquerten die Bucht und stiegen auf der Gegenseite wieder empor. Rechter Hand des Weges befand sich ein kleiner Aussichtspunkt, der über Holzbohlen erreichbar ist. Wir wanderten oberhalb der Felsküste entlang. Der Horizont über dem Atlantik war dunkel und in Richtung Porto Covo regnete es wieder.

Rota Vicentina - Viele kleine Sandbuchten

Viele kleine Sandbuchten entdeckt man beim Wandern auf dem Fernwanderweg Rota Vicentina – Foto: Mario Hübner

 

Am Sandstrand Ilha do Pessegueiro stiegen wir hinab und wanderten am Ufer entlang. Nicht weit vor dem Sandstrand befand sich ein kleines Eiland im Meer und am Ende des Strandes sahen wir die Überreste der Festung “Forte da Ilha” oberhalb der Felsklippen. Im 16. Jahrhundert musste wegen den Angriffen nordafrikanischer Piraten und europäischer Seemächte die portugiesische Küste geschützt werden und so entstanden an geeigneten Stellen Verteidigungsanlagen und Bollwerke.

Rota Vicentina - Regenfront

Die nächste Regenfront kommt über den Atlantik herein – Foto: Mario Hübner

 

Bei einer längeren Pause am Strand gab es eine kleine Stärkung mit Käse und Brot, welches wir in der Markthalle von Porto Covo gekauft hatten. Hinter dem Forte da Ilha führte uns der Fischerpfad an der Küste entlang, bis es dann über einige Kilometer hinter den Dünen im offenen Buschland weiterging. Am Strand Praia do Malhao streifen wir einen großen Parkplatz und dann wandern wir auf einem kleinen Pfad entlang welcher die herabstürzenden Felsenklippen von Alturas do Norte.

Rota Vicentina - Wandern an der Kueste

Das Wandern an der Küste ist kurzweilig. Immer wieder entdeckt man neue Dinge – Foto: Mario Hübner

 

Oben auf den Felsenklippen erblicken wir einige Männer welche hier aus 20-30 Metern Höhe an der Felsenkante angeln. Wir bewundern das Schauspiel mit der langsam untergehenden Abendsonne am Horizont. Kurz nach 17 Uhr begann die Abenddämmerung und 30 Minuten später wanderten wir in den Lichtkegeln unserer Stirnlampen an der Steilküste entlang. Eine ungewohnte Atmosphäre: Der Wind bläst vom Atlantik, man hört die Brandung und es regnet wieder.

Rota Vicentina - Tag neigt sich dem Ende zu

Der Novembertag neigt sich früh dem Ende zu – Foto: Mario Hübner

 

Im Dunkeln war die Route des Fischerpfades schwieriger zu finden, da man die kleinen hölzernen Wegmarkierungen schlecht erkennen konnte und das Faszinierendste waren die Kröten die mitten auf dem Weg saßen. Schließlich sahen wir in der Ferne die Lichter von Häusern und näher vor uns parkte ein Auto, welches mit den Scheinwerfern in unsere Richtung leuchtete. Beim Näherkommen sprach uns ein älterer Mann an. Es stellte sich heraus, dass es unser Gastgeber war.

Rota Vicentina - Moewen an der Kueste

Möwen sind die ständigen Begleiter an der Costa Vicentina – Foto: Mario Hübner

 

António und seine Frau Idália hatten sich riesige Sorgen gemacht, das uns etwas passiert sein könnte. Es war seit 2 Stunden dunkel und sie konnten nicht wissen, dass wir es gewohnt sind, in der Dunkelheit in den Bergen zu wandern. Wir baten um Entschuldigung als uns bewusstwurde, dass bestimmt nicht alle Wanderer so erfahren wie wir sind, mit Stirnlampen, Proviant, GPS und Schlechtwetterkleidung ausgerüstet sind. Das Ehepaar hatte schon die Polizei benachrichtigt, bei der örtlichen Reiseagentur angerufen und die Restaurants in Vila Nova de Milfontes abtelefoniert. Wir hätten ja eventuell auch schon in einem der Restaurants sitzen können.

Rota Vicentina - Fischer an der Steilkueste

Männer angeln an von den hohen Felsklippen an der Küste – Foto: Mario Hübner

 

António fuhr uns die letzten Kilometer zu unserer Unterkunft Casa do Adro im Ort. Seine Frau Idália begrüßte uns ganz aufgelöst und nahm uns in ihre Arme. Solche Sorgen hatten sie sich noch nie machen müssen. Wir verstanden es und versuchten es Ihnen verlegen zu erklären. Spät aufgebrochen, viele Pausen eingelegt, nicht an die kurzen Tage, jetzt nach der Zeitumstellung gedacht und dass wir es gewohnt sind in der Dunkelheit zu wandern.

Rota Vicentina - Kroeten

Nach dem Regen sahen wir auf unserem Pfad jede Menge Kröten – Foto: Mario Hübner

 

In der Casa do Adro waren wir heute die einzigen Nächtigungsgäste. Das Zimmer konnten wir uns aussuchen, zur Begrüßung stand auf dem Zimmer ein hausgemachter Kuchen und im Aufenthaltsraum war ein Kühlschrank voll mit Obst und Bier. Eine Begrüßung wie im Schlaraffenland.

Costa Vicentina - Tasca do Celso

Leckere Gerichte im Restaurant Tasca do Celso in Vila Nova de Milfontes – Foto: Mario Hübner

 

Kurze Zeit später führte uns António zum Restaurant Tasca do Celso, wo wir unseren ersten Wandertag bei ausgezeichneter, frischer Küche und einem Tropfen Wein Revue passieren ließen. Regen, Wind, der Atlantik, die Steilküste mit der Brandung, die Nachtwanderung und dann natürlich unsere besorgten Gastgeber Idália und António José von der Casa do Adro. Als kleines Zeichen unseres Dankes nahmen wir noch einen guten Tropfen Wein mit, als wir zu unserer Unterkunft zurückkehrten.

Costa Vicentina - Tasca do Celso

Angenehmes Ambiente im Restaurant Tasca do Celso in Vila Nova de Milfontes – Foto: Mario Hübner

 

Hier könnt ihr lesen, was bei unserer Wanderreise auf der Rota Vicentina noch geschah:

Rota Vicentina (Teil 2) – Wir kamen als Fremde und gingen als Freunde!

_______________________________________________

Routenverlauf unserer Wanderung auf dem Fischerpfad:


_______________________________________________

Reiseinfos:

Anreise:

Anreise mit dem Flugzeug: Sie fliegen nach Lissabon oder Faro. Vom Busbahnhof in Lissabon besteht einmal täglich eine Busverbindung nach Porto Covo. Ansonsten steuert noch das Busunternehmen Rede Expresso von Lissabon oder Lagos jeden größeren Ort der Region an. Oder Sie buchen einen Flughafentransfer (ca. 2 Stunden Fahrtzeit) von den Flughäfen in Lissabon oder Faro zum Ausgangspunkt Porto Covo und später vom Endpunkt Odeceixe zurück nach Lissabon oder Faro.

Beste Jahreszeit:
Zum Wandern bietetet sich am besten der Frühling und Frühsommer (März bis Juni) wenn die vielen Blumen blühen, sowie die Herbstmonate (September bis Anfang November), wenn das Meerwasser noch angenehm warm zum Baden ist. Die Sommermonate (Juli/August) sind wegen der Hitze nicht zu empfehlen, außerdem sind die Strände dann so überfüllt, das man die Natur nicht genießen kann.

Die Recherche erfolgte mit freundlicher Unterstützung

von Wikinger Reisen.

Text & Bilder: Mario Hübner

Schöne Bergtouren Team

About Schöne Bergtouren Team