Expedition Patagonien 2012 – Michi Lerjen und Jorge Ackermann am Fitz Roy…

Expedition Patagonien 2012 –

Michi Lerjen und Jorge Ackermann am Fitz Roy…

Winterbesteigung in Patagonien 2012

Im Sommer, besser gesagt im Januar, kletterten Jorge Ackermann und Michi Lerjen zusammen am Fitz Roy. Ziel war es eine neue Route zu eröffnen. Durch zu warmes Wetter drehten sie nach 8 Längen um! Im Spaß sagten sie zu einander, sie könnten doch mal im Winter kommen, dann wären auch weniger Leute da. So wurde aus einer Idee Wirklichkeit. Am 14. Juni 2012 erreichten sie das etwas andere El Chalten, es waren kaum Leute anzutreffen was genau ihrem Geschmack entsprach, denn sie suchten ein Abenteuer! In mehreren Anläufen versuchten sie Material zum Passo Superior zu shutteln und mit viel Glück konnten sie an einem Tag 30 Kilo hoch bringen. Allein der Aufstieg zum Superior war eine Tour für sich, durch große Schneemassen war es alles andere als ein Spaziergang. Dafür wurden sie aber mit einer der besten Abfahrten belohnt! Einfach genial, keine Leute und 1 Meter Powdersnow! Doch im Winter ist eben alles ein bisschen anders!

Fitz Roy - Aguja Poincenot

Foto: adidas

Nach getaner Arbeit waren sie nun bereit, in ihre Route einzusteigen. Vor ihnen war in dieser Wand noch nie jemand im Winter gewesen und so waren die Locals etwas erstaunt als sie sagten wo es hingehen sollte. Nach ein paar Tagen kam ein Wetterfenster und so starteten sie am 30. Juni 2012 Richtung Rio Blanco, wo sie eine windige kurze Nacht hinter sich brachten. Am frühen Morgen gingen sie im Licht der Stirnlampen Richtung Superior los. Der Wind der vergangen Tage hatte den Schnee ziemlich ausgeblasen und so waren sie schneller als erwartet im Passo. Nach einer kurzen Pause begannen sie Material zu sortieren und das Essen zu rationieren. Mit schwer beladenen Haulbags ging es zum Wandfuss. An Diesem deponierten sie ihre Ski und stiegen die ersten 4 Mix-Längen in gutem Tempo hoch bis sie unter der überhängenden Hauptwand ihre erste Nacht verbrachten. Es war gar nicht so einfach das Portaledge, ihr Hotel, ein Single One mit einem Zelt drauf, zu befestigen da sie komplett auf Bohrhaken verzichteten, ja nicht mal ein Boltkit mitnahmen. Nach einigen Manövern stand ihr Hotel, sie konnten sich nach 14 Stunden der Müdigkeit hingeben und schlafen.

Fitz Roy

Foto: adidas

Am nächsten Tag stiegen sie weiter, in harter Aid Kletterei, welche erschwert durch vereiste Risse zeit- und nervenaufreibend war und so konnten sie nur drei Längen in 10 Stunden klettern, was einen Durchschnitt von drei Stunden pro Länge ergibt. Doch ihr Optimismus war immer noch voll vorhanden und so richteten sie ihre zweite Nacht im Portaledge ein, nach 30 Metern abseilen, hochjumaren, Wasser kochen und essen fanden sie erneut nach 13 Stunden ihren Schlaf! Doch bevor die Augen zufielen setzten sie sich ein Ziel, am nächsten Tag sollten es zumindest 8 Längen sein!

Voller Energie starteten sie sehr früh in den neuen Tag, den dritten in der Wand. Alles wieder zusammen packen und weiter! Doch auch an diesem Tag waren die Längen sehr, sehr schwer und zeitraubend. An Copperheads, Birtpeaks und Rurps, zwei Pendelquergängen, gelangten sie in drei weiteren Seillängen zum Ledge of Hope, benannt nach der Hoffnung einfacheres Terrain zu finden. Doch leider tauften sie den kommenden Teil Mordor, es sah immer noch schwer aus! Sie wussten nun, dass wsie mindestens noch drei Tage brauchen würden, um hoch zu kommen und einen für runter. Doch sie hatten das Wetter im Kopf und wussten, dass morgen kein guter Tag sein würde. Danach würden ihnen dann nur noch zwei Tage bleiben, bevor der große Sturm käme. Nichts desto trotz richteten sie sich für ihre dritte Nacht ein! Nach getaner Arbeit riefen sie Rolando Garibotti an und seine Antwort war klar: “Bewegt eure Ärsche aus der Wand, morgen wird’s nicht lustig. Um 10 Uhr Wind bis 14 Uhr, dann 36 Stunden Wind. Wenn ihr kein gutes Ledge habt (wir hingen im Portaledge mit einem Zelt drauf), seilt ab, im Sommer würde ich runter, im Winter wäre ich schon unten!” Hm schade, schade, aber es war trotzdem genial und sie genossen ihre letzte Nacht in der Vertikalen in vollen Zügen: Bouillon, ein guter Schluck Isostar und zum Hauptgang halb gekochte Polenta. Und das Ganze mit einer großen Prise Humor, einfach genial! So ging auch dieser Tag nach 14 Stunden zu Ende.

Fitz Roy

Foto: adidas

Durch die Warnung von Rolo starteten sie erneut früh, packten ihre Sachen und begannen mit dem Abseilen. Der Wind war zu hören und sogleich begann es auch zu schneien. Es begann leicht zu kribbeln, denn hier war kein Platz, um in einen Sturm zu gelangen. Sie wussten, jede Abseilstelle müsste angependelt werden und das würde bei zu starkem Wind mit Haulbag und Portaledge sicher nicht lustig werden! Und doch lief es fast reibungslos, nur einmal blieb das Seil am Stand, der Knoten hatte sich verhängt. Doch sonst lief es, trotz Schneefall und Lawinen rund um ihnen! Sie seilten die komplette Route an, keilten ab und erreichten erleichtert den Bergschrund. Das Wetter unten war ok und sie konnten sicher zurück zum Superior! Sie schauten beide noch mal zurück und hatten ein Lächeln auf den Lippen! Nicht eine Sekunde haderten sie, es war genial, in dieser Wand, alleine, im Winter. Sie haben alles gegeben und es genossen, bis die Natur ihnen die Grenze gesetzt hat. Es war Michi bestes Erlebnis in den Bergen und für ihn war es, was er suchte, die Ruhe, das was 70 Jahre vor uns Bergsteiger erlebt haben! Er war glücklich und Jorge auch, sie waren ein Team, das, trotzdem sie das Ziel nicht erreicht haben, eine Zufriedenheit verspürte, welche ihm kein Gipfel zuvor geben konnte. Es war pure Leidenschaft draußen zu sein, in der Natur, in den Bergen! Sie hätten in dieser Zeit viele normale Routen klettern können, doch sie entschieden sich für ein Abenteuer und es hat sich gelohnt!

Fitz Roy

Foto: adidas

Zurück im Superior checkten sie ihr Essen, welches alles andere als rosig aussah. Da war nicht mehr viel. Sie mussten also morgen wieder los, wenn sie noch etwas klettern wollten. Doch nach vier langen Tagen in der Wand waren sie alles andere als fit! Da sie außerdem nicht allzu viel Material hatten für normale Routen, wie zwei Paar Eispickel oder nur drei Eischrauben, entschieden sie sich, wenn der Wind nicht zu stark sein würde, die Aguilla Guillaumet zu machen! Sie aßen ihren letzten Proviant und schliefen nach erneut 12 Stunden ein! Am nächsten Tag standen sie um 10 Uhr auf und es war einfach nur wunderschön. Trotz großer Müdigkeit waren sie voll motiviert und starteten um 11 Uhr vom Passo zur Guillaumet. Nach 2 Stunden 50 Minuten standen sie auf dem Gipfel! Sie waren so happy – die Route ist alles andere als eine Wanderung, in den Alpen ist es eine eigenständige große Tour, doch sie waren nach vier Tagen immer noch fit und konnten die Tour richtig genießen, kein Haulbag, einfach leicht und locker! Während im Sommer viele Leute an diesem Berg sind, so waren sie wieder alleine, keine Spuren, kein Mensch – einfach genial. So genossen sie den Gipfel und das wunderschöne Panorama und machten sich an den Abstieg!

Aguilla Guillaumet

Auf dem Gipfel des Aguilla Guillaumet – Foto: adidas

Um 16 Uhr waren sie wieder im Passo Superior, hier packten sie ihr Material und luden die schweren Haulbags auf ihre Rücken, jeder um die 35 Kilo. Was beim letzten Mal ein Genuss war, stellte dieses Mal eine richtige Herausforderung dar! Müde erreichten sie das Camp Rio Blanco und plötzlich hörten sie Stimmen, was nach 6 Tagen in den Bergen zuerst angsteinflößend war, sich dann aber als Rettung herausstellte, denn es war Leo ein Local Guide, welcher ihnen mit Empanadas und Facturas entgegeneilte – sie waren so erleichtert. So konnten sie ihre Säcke umpacken und mit etwas leichterem Gepäck die letzten Meter in Angriff nehmen! Um 22 Uhr erreichten sie El Chalten, erneute 12 Stunden, aber großartige! Sie gönnten sich mehrere Bier und eine Pizza – was für eine Wohltat. Jeder wollte wissen wie es war und das Fazit, das alle zogen, war loco, loco – verrückt, verrückt.

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Mit einem Schmunzeln fielen sie in einen tiefen Schlaf und waren einfach nur glücklich! Sie kommen wieder, keine Frage und werden diese Route zu Ende bringen, aber Michi´s Fazit ist klar: Das war die beste Expedition, die er je hatte – Team, Berg Erlebnis, eine unschlagbare Kombination!

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Weitere Infos finden Sie hier:

www.adidas.de/outdoor

Quelle: Adidas

Schöne Bergtouren Team

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