Chamonix – Ein Winterausflug in die Bergsteigerstadt am „weißen Berg“…

Chamonix –

Ein Winterausflug in die Bergsteigerstadt

am „weißen Berg“…

Chamonix – Unter Bergsteigern und Bergsportlern ein Mythos, zieht die Bergbegeisterten aus aller Welt an. Es hat schon etwas, in den Cafés von Chamonix zu sitzen oder hier einzukaufen und beim Hochschauen den „weißen Berg“, den „Mont Blanc“ zu erblicken. Ob Einheimische, Italiener, Engländer, Amerikaner, Deutsche oder von einer anderen Nation, hier in „Cham“ hört man viele Sprachen. Der Alpinismus ist in der Bergsteigerstadt Chamonix allgegenwärtig. Bergschulen, Skischulen, Sportläden, Buchläden, Souvenirläden irgendwie hat hier alles mit den Bergen zu tun.

Chamonix - Gipfel des Mont Blanc

Der Gipfel des Mont Blanc (4.810 m Höhe) bei Sonnenschein und blauem Himmel. – Foto: Mario Hübner

 

Im Winter wenn es frisch geschneit hat, ist die Gegend um Chamonix ein idyllisches Winterwunderland am Fuße des Mont Blanc. Es ist eines der ältesten Skigebiete Frankreichs, mit unvergleichbaren Panoramen und Gebirgszügen, welches es zu einem Mekka für Skifahren, Bergsteigen und Gleitschirmfliegen macht. Es wurde endlich wieder Zeit diesem Platz auf Erden, einen kleinen Besuch abzustatten.

Chamonix - Jacques Balmat

Die Statue von Jacques Balmat, dem Erstbesteiger des Mont Blanc – Foto: Mario Hübner

 

Der Wetterbericht sagte einen strahlenden, schönen 2. Weihnachtsfeiertag voraus. Einen Tag später sollte das Wetter schon wieder komplett umschlagen und sehr schlecht werden. Aus der Nähe von Annecy begaben wir uns also auf die kurze Fahrt in das Tal der Arve nach Chamonix. Der im Winter gefürchtete Smog herrschte nicht und der Himmel strahlte blau über dem Tal der Arve. Schnee lag leider noch nicht viel unten im Tal. Überall war es trocken und nur vereinzelt erblickte man Schneereste, an Stellen, wo die Sonne nicht einwirken konnte. Wir passierten die Mautstelle und kurze Zeit später suchten wir uns einen Parkplatz in der Nähe des Bahnhofs der Zahnradbahn Montenvers – Mer de Glace (Chemin de fer du Montenvers).

Chamonix - Chemin de Fer du Montenvers

Der Bahnhof der Zahnradbahn Montenvers in Chamonix – Foto: Mario Hübner

 

Wir wollten früh am Mer de Glace ankommen, damit wir später vielleicht noch hoch zur Aiguille du Midi fahren konnten. Am Bahnhof der Zahnradbahn Montenvers war noch nicht so viel los. Es war der zweite Weihnachtsfeiertag sehr kalt und die meisten Touristen würden erst am morgigen Samstag oder Sonntag anreisen, um Silvester in den französischen Alpen zu verbringen. Von Chamonix nach Montenvers auf 1.913m Höhe überwindet die Zahnradbahn auf einer Länge von 5,1 km einen Höhenunterschied von 871 Metern.

Chamonix - Bahnhof Le Montenvers

Der Bahnhof “Le Montenvers” auf 1.913 m Höhe oberhalb von Chamonix – Foto: Mario Hübner

 

Knapp 20 Minuten dauert die Fahrt mit der alten Zahnradbahn und schon erblickt man ein herrliches Panorama. Das Mer de Glace, zu Deutsch Eismeer, ist der größte Gletscher Frankreichs und der Mont-Blanc-Gruppe. Er ist nur noch etwa 7 km lang und hat eine durchschnittliche Eisdicke von 200 Metern. Am Aussichtspunkt Montenvers (1.913 m Höhe) hat man ein imposantes Panorama, mit Gipfeln wie den Les Drus und Grandes Jorasses. An dieser historischen Stelle begann im 19. Jahrhundert auch der Gebirgstourismus.

Chamonix - Aiguille du Dru / Grand Dru

Blick zur Aiguille du Dru / Grand Dru (3.754m Höhe) mit seiner 1.100 Meter hohen Westwand im Mont-Blanc-Massiv östlich von Chamonix – Foto: Mario Hübner

 

Wir genossen das Panorama über das Mer de Glace und den umliegenden Gipfeln, um anschließend die Seilbahn hinunter zum Gletscher zu nehmen. Früher hatte der Gletscher noch eine gewaltige Ausdehnung und befand sich hier direkt am Fuße der Seilbahn. Über die letzten Jahre ist allerdings so viel Gletschereis abgeschmolzen, so dass man über 400 Stufen hinabsteigen muss, um die Eisgrotte zu besuchen. Fast jedes Jahr müssen übrigens neue Stufen angebaut werden, damit die Eisgrotte für die Besucher erreichbar bleibt.

Chamonix - Mer de Glace

Blick auf das Mer de Glace – Foto: Mario Hübner

 

Die Eisgrotte wird jeden Sommer neu gehauen, da der Gletscher sich etwa 70 Meter bewegt. In der Eisgrotte bewunderten wir diverse schöne Kristallfiguren und alte Bilder aus den Anfängen des Gebirgstourismus hier am Mer de Glace. Nach dem Aufstieg zur Seilbahn und der kurzen Fahrt hinauf zum Montenvers besuchten wir noch kurz die Kristallgalerie, mit zahlreichen Kristallen aus dem Mont Blanc Massiv. Jetzt war es schon um einiges voller, da die nachfolgenden Zahnradbahnen einige Touristen ausgespuckt hatten.

Chamonix - Eisgrotte im Mer de Glace

In der Eisgrotte im Mer de Glace – Foto: Mario Hübner

 

Wir fuhren wieder hinab nach Chamonix und kehrten in der Nähe der Talstation der Seilbahn Télépherique de l’Aiguille du Midi in eine Bäckerei ein. Ein starker, heißer Kaffee zum Aufwärmen und eine Kleinigkeit um den Hunger zu stillen, bevor wir von 1.035 m Höhe hinauf auf 3.778 m Höhe fahren würden. Die Aiguille du Midi selbst ist 3.842 m hoch und überragt das Stadtzentrum von Chamonix um etwa 2.800 m. 1955 wurde die Seilbahn eröffnet und führt in zwei Sektionen auf die Felsspitze „Aiguille du Midi“.

Chamonix - Gipfelgebäude auf der Aiguille du Midi

Gipfelgebäude auf der Aiguille du Midi – Foto: Mario Hübner

 

An der Talstation war es relativ leer, beim Warten auf den Zutritt zur Gondel wurde es allerdings voller und viel lauter. Gäste vieler Nationen lieferten sich einen Wettbewerb, wer am lautesten Reden konnte. Als die Türen der Gondel sich öffneten, begann der Kampf um die besten Plätze in der Gondel. Kleine zierliche Frauen drängelten und schoben mit ihren Ellenbogen zu den Fenstern in der Gondel durch. Die Freunde des Wintersports und das Personal von der Seilbahn schauten nur ungläubig auf das stattfindende Schauspiel.

Chamonix - Blick von der Aiguille du Midi

Blick von der Aiguille du Midi hinab auf Chamonix – Foto: Mario Hübner

 

Die Gondel fuhr hinauf und schon ging der Lärm und Selfie schießen los. Smartphone hier und Selfie-Stick dort, ein Foto hier, ein Foto dort. Cheese, Hühnerscheisse, Whiskey, wer weiß was für Wörter in den ausländischen Sprachen gesprochen wurden, jedenfalls war es ein Spektakel. Plötzlich wurde das Kreischen Ohrenbetäubend, denn wir hatten einen Stützpfeiler passiert und die Seilbahngondel schwankte ordentlich und alle Fahrgäste wurden kräftig durchgeschüttelt.

Chamonix - Blick von der Aiguille du Midi

Blick von der Aiguille du Midi in Richtung Italien – Foto: Mario Hübner

 

Die Mittelstation „Plan de l`Aiguille“ liegt auf 2.317 m Höhe und ist ein idealer Zugangspunkt wenn man fernab der Pisten Skifahren möchte. Skitourengeher starten im Winter von hier und im Frühjahr, Sommer und Herbst die Wanderer, Kletterer und Gleitschirmflieger. Eine schöne Tagestour ist auch die Wanderung von der Mittelstation „Plan de l`Aiguille“ zum Mer de Glace und dem Bahnhof der Zahnradbahn Montenvers. Von der Mittelstation beförderte uns die Gondel ohne einen Stützpfeiler hinauf zur Bergstation „Aiguille du Midi“ auf 3.778 m Höhe.

Chamonix - Aiguille du Midi

Herrliches Bergpanorama von der Aiguille du Midi – Foto: Mario Hübner

 

Die Touristen strömten hinaus und verteilten sich in dem Gipfelgebäude. Verschiedene Aussichtsterrassen, ein Souvenirshop, eine Snackbar, eine Cafeteria sind hier untergebracht. Wir gingen erst mal nach links um den vielen Besuchern zu entgehen und das Panorama über Chamonix und dem Tal der Arve zugenießen. Es war kalt, der Wind pfiff und biss im ungeschützten Gesicht. Schnell Handschuhe angezogen, Mütze aufgesetzt und die Kapuze der warmen Jacke übergezogen. So konnte die Aussicht auch in Ruhe genießen, ohne das einem Eiszapfen an der Nase wuchsen.

Chamonix - Bergsteiger am Aiguille du Midi

Bergsteiger in der Nähe des Aiguille du Midi – Foto: Mario Hübner

 

Was für einen herrlichen Tag hatten wir für unseren Besuch hier oben erwischt. Eine Fernsicht vom feinsten. In der Ferne war das Jura zu erkennen, sowie die Hügelketten am Genfersee. Wir erblickten das Hochplateau und die kleineren Gipfel, wo wir ab und an mal eine Schneeschuhtour gemacht hatten und natürlich auch den Mont Blanc. In der Ferne sahen wir die Stützmasten der Kleinkabinenbahn Vallée Blanche, welche die Aiguille du Midi und die Pointe Helbronner verbindet. Unsere Blicke schweiften über die französischen, italienischen und schweizerischen Alpen und sogen die spektakuläre Aussicht ein.

Chamonix - Helikopter am Aiguille du Midi

Helikopter am Aiguille du Midi – Foto: Mario Hübner

 

Wir spazierten von Plattform zu Plattform und genossen immer wieder neue Panoramen. Der Fahrstuhl zur höchsten Terrasse auf 3.842 m Höhe ist im Winter leider gesperrt und so konnten wir die finalen 42 Höhenmeter nicht überwinden. Einige Bergsteiger und Skitourengeher waren in der Nähe der Bergstation zusehen, ein Helikopter flog in unmittelbarer Nähe vorbei und der Mont Blanc leuchtete in den Strahlen der Wintersonne. Nach diesen vielen Eindrücken und des kalten Windes freuten wir uns auf die warmen Wintertemperaturen unten im Tal in der Bergsteigerstadt „Chamonix“.

Chamonix - Macarons

Herrlich diese Macarons – Foto: Mario Hübner

 

Die Talstation erreicht, liefen wir hinauf zur Fußgängerzone. Jetzt herrschte hier ein reges Treiben. Wintersportler, Tagestouristen, Einheimische, alle waren unterwegs um noch irgendwelche Erledigungen zu tätigen oder vielleicht erste, nicht gefallende Geschenke um zu tauschen? Wer weiß, wir ließen uns vom Weihnachtstreiben nicht abhalten und schlenderten noch ein Weilchen durch die Gassen von Chamonix, bevor wir unseren schönen Tagesausflug beendeten und wieder zurück in Richtung Annecy fuhren.

Chamonix - Fussgaengerzone

In der Fußgängerzone von Chamonix – Foto: Mario Hübner

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Tourentipps, Unterkünfte und sonstige interessante Orte:

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Reiseinfos:

Anreise:

Anreise mit dem Auto:
Aus Italien durch das Aostatal (nordöstliche Richtung) und dann durch den Mont-Blanc-Tunnel nach Chamonix.

Aus der Schweiz über die Autobahn Bern – Montreux – Martigny. Weiter auf den gut ausgebauten Bundesstraßen über die Pässe „Col de la Forclaz“ (1.527 m Höhe) und „Col des Montets“ (1.461 m Höhe).

Aus der Schweiz über die Autobahn Bern – Genf – Cluses in Richtung Chamonix bis zum Ende der Autobahn (A40) in Passy-le-Fayet. Von hier auf der Nationalstraße N 506 etwa 17 Kilometer bis nach Chamonix.

Anreise mit der Bahn:
Aus Frankreich über das 20 km entfernte Saint-Gervais, welches an das TGV Netz angeschlossen ist.

Aus der Schweiz über Martigny mit dem Mont-Blanc-Express nach Chamonix.

Anreise mit dem Flugzeug:
Über den internationalen Flughafen Genf, welcher sich 88 Kilometer von Chamonix befindet. Von hier aus am besten mit den Bussen weiter nach Chamonix. Täglich werden Flughafentransfers angeboten.

Beste Jahreszeit:
Zum Wandern, Biken und für alle anderen Sommeraktivitäten von Mai bis Oktober. Zum Skifahren, Schneeschuhwandern von Ende November bis Mitte April.

Die Recherche erfolgte mit freundlicher Unterstützung

von Chamonix Tourismus.

Text & Bilder: Mario Hübner

Schöne Bergtouren Team

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