Mehrtagestour – Schneibstein-Überschreitung (2276m)

Aus dem Rother Wanderbuch “Wochenendtouren Bayerische Alpen” von Franziska Baumann / Antje Sommer, © Bergverlag Rother

Mehrtagestour

Schneibstein-Überschreitung (2276 m)

Watzmannblick hoch über dem Königssee

Auf dieser Tour, die hoch über der Ostseite des Königssees verläuft, bieten sich immer wieder herrliche Ausblicke auf Watzmann und Königssee, den Hochkönig mit der Übergossenen Alm und das Steinerne Meer. Die erste Etappe verläuft zwar überwiegend auf Forstwegen, ist aber trotzdem auf manchen Abschnitten viel begangen, denn Königsbachalm und Jenner sind attraktive und leicht erreichbare Ziele. Die bis kurz unter den Jennergipfel führende Gondelbahn bringt zahlreiche Touristen in den Genuss des einzigartigen Panoramas – und bietet konditionsstarken Wanderern die Möglichkeit, die Schneibstein-Überschreitung innerhalb von zwei Tagen durchzuführen. Nach dem Jenner wird es ruhiger und am Carl-von-Stahl-Haus tauchen wir in die einmalige Landschaft des Nationalparks Berchtesgaden ein.

Carl-von-Stahl-Haus

Carl-von-Stahl-Haus (ohne den neuen Anbau) am Torrener Joch (auf 1.736 m Höhe), Berchtsgadener Alpen – Foto: Mario Hübner

 

Die Alpenvereinshütte liegt aussichtsreich am Torrener Joch zwischen Göllstock und Hagengebirge, an der Grenze zwischen Bayern und dem Salzburger Land. Sollte das Stahlhaus überfüllt sein, kann man auf das etwas darunter liegende Schneibsteinhaus ausweichen. Die abwechslungsreiche zweite Etappe führt uns zunächst auf den Schneibstein, von dem man einen herrlichen Rundblick hat. Der Schneibstein gilt als der leichteste Zweitausender des Berchtesgadener Landes, seine Überschreitung bietet aber nichtsdestotrotz ein spannendes alpines Ambiente. Anschließend durchqueren wir eine wellige Karsthochfläche zu dem kleinen, idyllischen Seeleinsee. Dann geht es hinüber auf die lieblichere Westseite des Hagengebirges zur Gotzenalm, die auf einer weitläufigen Wiesenterrasse oberhalb des Königssees liegt.

Seeleinsee

Idyllischer Seeleinsee (auf 1.880 m Höhe) mit Hochseeleinkopf im Hintergrund (mit 2.109 m Höhe) – Foto: Mario Hübner

 

Familien mit Kindern kommen – allerdings auf einer kürzeren Route – gerne zu einer Hüttenübernachtung hierher. Ein Abendspaziergang führt zum Feuerpalfen, einem Aussichtspunkt, von dem man einen prächtigen Blick in die Watzmann-Ostwand und hinunter auf den Königssee mit St. Bartholomä hat. Auf der dritten Etappe geht es dann hinab zum südlichen Ende des Sees. Bevor wir mit dem Boot zurückfahren, können wir noch einen Abstecher zum Obersee machen oder einfach genussvoll am Ufer des Königssees entspannen.

Ausgangspunkt:
Königssee, Talstation der Jennerbahn (630 m)  großer, gebührenpflichtiger Parkplatz, Busverbindung vom Bahnhof Berchtesgaden.

Endpunkt:
Salet (604 m), Mit dem Elektroboot zurück nach Königssee, von dort Bus zum Bahnhof von Berchtesgaden.

Bergbahn:
Jennerbahn, in Betrieb von Anfang Juni bis Anfang Oktober von 9 bis 17 Uhr, von Anfang Oktober bis Anfang November von 9 bis 16.30 Uhr
Abfahrt von Salet von Mitte April bis Mitte Oktober mindestens halbstündlich bis 17.10 Uhr, von Mitte Mai bis Anfang Oktober auch um 17.40 Uhr, von Anfang Juli bis Mitte September auch um 18.10 Uhr (ggf. kein Bootsverkehr bei Nebel, Sturm oder Hochwasser).

Dauer:
3 Tage

Höhenunterschiede/Gehzeiten:
1. Tag: 1300 m Aufstieg und 200 m Abstieg / 4h 30min
2. Tag: 850 m Aufstieg und 900 m Abstieg / 6h 30min
3. Tag: 1080 m Abstieg / 3h
Gesamt: 2150 m Aufstieg und 2180 m Abstieg / 14h

Anforderungen/Wegbeschaffenheit:
Die erste Etappe verläuft vorwiegend auf Forstwegen, die zweite und dritte Etappe führt über Bergsteige, Trittsicherheit erforderlich. Bei Nebel kann es auf der zweiten Etappe Orientierungsprobleme geben. Auf der dritten Etappe ist beim Abstieg auf dem sogenannten Kaunersteig etwas Schwindelfreiheit erforderlich (Drahtseilversicherungen). Die Holzstiegen dort können bei Nässe rutschig sein.

Einkehrmöglichkeiten:
1. Tag:
– Königsbachalm, nur Einkehr
– Bergstation Jennerbahn, nur Einkehr
– Carl-von-Stahl-Haus (ganzjährig geöffnet)
– Schneibsteinhaus, etwas unterhalb vom Stahlhaus (geöffnet von Ende April bis Ende Oktober (bei schlechtem Wetter vorher anrufen!))

2. Tag:
– Gotzenalm (geöffnet von Ende Mai bis Mitte Oktober)

3. Tag:
– Saletalm, nur Einkehr.

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Wegverlauf:
1. Tag:
Von der Talstation der Jennerbahn in Königssee, 630 m, gehen wir auf dem links von der Seilbahn parallel dazu aufwärts führenden Sträßchen bis zu einer Abzweigung. Hier halten wir uns rechts und bald darauf, dem Schild Richtung Königsbachalm / Jenner (Weg Nr. 493) folgend, wieder rechts. Das Sträßchen taucht in den Wald ein und geht in einen Schotter-Fahrweg über. Unter der Jennerbahn hindurch zieht dieser oberhalb vom Königssee aufwärts. Ab und zu gibt der Wald erste Blicke auf den See und den Watzmann frei. Schließlich kommen wir zu einem Aussichtsplatz mit Sitzbänken (ca. 1030 m) der zu einer ersten kleinen Rast einlädt. Bald darauf mündet unser Weg in einen Forstweg ein, dem wir nach rechts, dem Königsbach entlang, folgen. Eine Viertelstunde später sind wir bei der bewirtschafteten Königsbachalm (1200 m).

Koenigsbachalm

Blick zur Königsbachalm (auf 1.200 m Höhe), Berchtesgadener Alpen, Bayern, Deutschland – Foto: Mario Hübner

 

An der Gabelung folgen wir dem Wegweiser Richtung Jenner und Stahlhaus durch freies Almgelände nach links. Der weitere Weg ist nun stark begangen, da viele Wanderer von der Mittelstation der Jennerbahn herüberkommen oder von der Bergstation absteigen. An der Abzweigung ein paar Minuten später halten wir uns rechts, kurz darauf links. Der Fahrweg zieht nun durch Wald weiter hinauf bis zur nächsten beschilderten Abzweigung. Wer nicht auf den Jenner möchte, kann hier geradeaus in 45 Minuten über das Schneibsteinhaus zum Stahlhaus gehen. Zum Jenner folgen wir dem Steig nach links über den freien Hang in Serpentinen hinauf. Wir erreichen zuerst die Bergstation der Jennerbahn (1802 m) und linkshaltend 15 Minuten später den Gipfel des Jenners (1874 m). Hier haben wir eine fantastische Aussicht: Hochkönig, Steinernes Meer, Watzmann, Reiteralpe und Untersberg breiten sich vor uns aus und tief unter uns liegt der Königssee.

Watzmann

Vorabendlicher Blick hinüber zum Watzmann (mit 2.713 m Höhe, Berchtesgadener Alpen, Bayern, Deutschland – Foto: Mario Hübner

 

Auf demselben Weg gehen wir zurück zur Bergstation, wo wir uns in einem großen Selbstbedienungsrestaurant versorgen können. Dann folgen wir den Schildern Richtung Stahlhaus und Schneibsteinhaus hin ab und an der Verzweigung nach rechts. An der Linksabzweigung zur Mitterkaseralm und zur Mittelstation gehen wir geradeaus weiter. Dann queren wir durch Latschen, an der Abzweigung zum Schneibsteinhaus vorbei, bis wir das Carl-von-Stahl-Haus am Torrener Joch, (1734 m) erreichen. Hier öffnet sich der Blick nach Osten Richtung Tennengebirge. Das Stahlhaus ist nicht nur Stützpunkt für eine Besteigung des Schneibsteins, sondern auch für eine Überschreitung des Göllstocks zum Purtschellerhaus. Das Hüttenteam ist ausgesprochen jung, der Wirt Stefan Lienbacher hat das Haus 2006 im Alter von 20 Jahren übernommen.

Schneibstein

Der Schneibstein (mit 2.276 m Höhe) im Abendlicht der Sonne, vom Carl-von-Stahl-Haus gesehen – Foto: Mario Hübner

 

2. Tag:
Gestärkt vom reichhaltigen Frühstücksbuffet folgen wir am Stahlhaus dem Schild Richtung Schneibstein und Seeleinsee auf markiertem Weg nach Südosten. Erst steigen wir durch Latschen, dann über Geröll und schließlich über felsdurchsetzte Bergwiesen hinauf auf die flache Kuppe des Schneibsteins (2276 m) mit den zwei Gipfelkreuzen. Von hier haben wir einen herrlichen Rundblick auf Hagengebirge, Hochkönig, Steinernes Meer, Watzmann, Reiteralpe, Göllstock, Tennengebirge und Dachstein.

Blick zum Watzmann

Blick vom Schneibstein (auf 2276m Höhe) zum Watzmann (mit 2713m Höhe), vorne auf der Wiese sind Steinböcke zusehen – Foto: Mario Hübner

 

Nach der Gipfelpause wandern wir über fels und gerölldurchsetztes Gras in südliche Richtung hinab in die Windscharte (2093 m) die ihren Namen nicht ohne Grund erhalten hat. Dann leiten uns die Markierungen rechts am Windschartenkopf vorbei erst auf einem Höhenweg, dann leicht abwärts weiter. Durch eine karge Karstlandschaft geht es zwischen dem Fagstein und dem Hochseeleinkopf hindurch. Schließlich wird das Grün üppiger und wir erreichen den in einer Mulde liegenden, türkis glitzernden kleinen Seeleinsee (1820 m) über dem der graue Kahlersberg aufragt. Am Ufer des Sees können wir gemütlich Pause machen, denn bis zur Gotzenalm sind es nur noch knapp zweieinhalb Stunden. Etwas oberhalb befindet sich übrigens eine Bergwachthütte mit einem Notfalltelefon.

Blick vom Hochgeschirrsattel

Blick vom Hochgeschirrsattel (auf 1.949 m Höhe) in Richtung Landtal – Foto: Mario Hübner

 

Gleich nach dem See gelangen wir an eine Gabelung, halten uns links und steigen durch ein Feld aus riesigen Felsblöcken, teilweise über Geröll, steil hinauf bis in den Hochgschirrsattel (1949 m). Nun geht es rechts vom Kahlersberg und unterhalb der beeindruckenden Laafeldwand entlang hinab zu einer Verzweigung. Hier halten wir uns rechts und müssen noch einmal ein paar Höhenmeter bergauf bewältigen. Dann führt uns für kurze Zeit ein schöner Höhenweg oberhalb des Landtalgrabens entlang, bis der Weg nach rechts knickt und in den Wald eintaucht. Dort wandern wir auf gleicher Höhe bleibend weiter bis zu einer Abzweigung. Links geht es über den Kaunersteig zum Königssee hinab; hier werden wir am folgenden Tag absteigen. Vorerst folgen wir jedoch dem Weg geradeaus erst durch lichten Wald, dann über Almgelände weiter, bis wir die Gotzenalm (1685 m) das Ziel der heutigen Etappe, erreichen.

Nachdem wir uns einquartiert haben, können wir noch einen Abendspaziergang zum Aussichtspunkt Feuerpalfen (1741 m) unternehmen. Der Blick von dort hinab auf den Königssee mit St. Bartolomä sowie zur direkt gegenüber liegenden gigantischen Watzmann Ostwand ist überwältigend.

Obersee und Koenigssee

Blick auf Obersee und Königssee – Foto: Mario Hübner

 

3. Tag:
Auch dieser Tag beginnt mit einem großen Frühstücksbüffet. Dann geht es auf dem vom Vortag bekannten Weg zurück bis zu der Abzweigung Richtung Königssee. Wir halten uns rechts und wandern über Almweiden weiter, vorbei an der malerisch in einer Mulde liegenden Regenalm (1540 m) mit einem traditionellen Rundumkaser und einem Jagdhaus, das König Maximilian II. errichten ließ. Danach folgen wir dem nicht markierten, aber deutlichem Pfad über locker mit Fichten bestandene Wiesen weiter, bis wir in den Wald eintauchen. Nun schlängelt sich ein spärlich markierter Steig steil bergab. Ungefähr 90 Minuten nach der Regenalm gelangen wir zu den ersten Holzstiegen des Kaunersteigs. Ab und zu gibt der Wald nun Blicke auf den Königssee frei. Immer wieder kommen Stiegenpassagen, die teilweise mit Drahtseilen versichert sind – bei Nässe können sie rutschig sein. Schließlich lassen wir den Kaunersteig hinter uns und erreichen den in der Sonne blaugrün leuchtenden Königssee.

Am Wasser entlang kommen wir zehn Minuten später zur Bootsanlegestelle Salet (604 m). Hier können wir die Tour am Seeufer oder in der nur ein paar Minuten entfernten bewirtschafteten Saletalm gemütlich ausklingen lassen, bevor wir mit dem Elektroboot nach Königssee zurückfahren, – oder noch einen Spaziergang zu einem weiteren landschaftlichen Highlight, dem Obersee mit der Fischunkelalm, unternehmen (knapp 2 Std. hin und zurück).

Blick auf Schoenau

Blick auf den Hafen in Schönau am Königssee, Berchtesgadener Alpen, Bayern, Deutschland – Foto: Mario Hübner

 

Tourenüberblick:

Die GPX-Daten wurden auf Grundlage der geprüften GPX-Daten

des Rother Wanderbuch “Wochenendtouren Bayerische Alpen” erstellt.

Mit freundlicher Genehmigung des Bergverlag Rother.

Rother Wanderbuch - Wochenendtouren Bayerische Alpen

Foto: Bergverlag Rother

 

Karten:

– Alpenvereinskarte (Blatt BY 21) – Nationalpark Berchtesgaden, Watzmann (Maßstab: 1:25.000)
– Freytag Berndt Wanderkarte (Blatt WK D5) – Berchtesgadener Land, Berchtesgaden, Bad Reichenhall, Königssee (Maßstab: 1:25.000)
– BLV Karte (Blatt UK25-1) – Nationalpark Berchtesgaden (Maßstab: 1:25.000)
– Kompasskarte (Blatt 794) – Berchtesgadener Land (Maßstab: 1:25.000)

Tourentipps, Unterkünfte und sonstige interessante Orte:

 

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Schöne Bergtouren Team