Rota Vicentina – Wir kamen als Fremde und gingen als Freunde…

Rota Vicentina –

Wir kamen als Fremde und gingen als Freunde…

Ein blauer Himmel begrüßte uns beim Blick aus unserem Fenster. In der Ferne über dem Meer waren schwarze Regenwolken zu sehen, aber hier in Vila Nova de Milfontes (portugiesisch für: Neues Dorf der Tausend Quellen) schien die Sonne. Unsere feuchte Ausrüstung von gestern war getrocknet, aber wir hinterließen viel getrockneten Sand und Schlamm in unserem gemütlichen Zimmer.

Rota Vicentina - Koenigliche Obstplatte

Ein frische, grosse Obstplatte gibt es in der Casa do Adro zum Frühstück – Foto: Mario Hübner

 

Im Frühstückszimmer der Casa do Adro wartete auf uns ein üppig gedeckter Tisch, der einem Frühstück in einem 5 Sterne Hotel in keinerlei nachstand, sondern eher noch besser war. Es fällt einem sofort auf, wenn jemand die Arbeit mit Herz und Seele macht. Auf der Tafel reihte sich eine riesige Obstplatte, Käseteller, hausgemachte Konfitüren, Aufschnitt, frische Brötchen aneinander. Kurze Zeit später gab es sehr guten Kaffee, Tee, frisch gepressten Orangensaft und eine Portion Omelette für uns und frisch geröstete Brotscheiben mit zerlaufener Butter. Ein Frühstück für Könige oder Wanderer, welche eine 40 Kilometer Etappe vor sich haben.

Rota Vicentina - Casa do Adro

Eine schöne Terrasse hat die Casa do Adro im ersten Stock – Foto: Mario Hübner

 

Unsere Gastgeber Idália und António José kamen gegen Ende des Frühstücks noch auf einen Plausch zu uns und wir unterhielten uns angeregt. Im Frühjahr kann man auf einer schönen Terrasse im ersten Stock frühstücken, eingerahmt von einem Meer an Blumen. Ein kleines Paradies, welches wir in einem warmen Frühling gerne nochmal einige Tage genießen wollen.

Rota Vicentina - Steinmaennchen

Steinmännchen gibt es auch an der Costa Vicentina bei Vila Nova de Milfontes, Alentejo, Portugal – Foto: Mario Hübner

 

Die Ausrüstung war gepackt, der Abschied fiel uns von unseren herzlichen Gastgebern Idália und António José sehr schwer. Sie hatten sich wegen unserer gestrigen späten Ankunft so viele Sorgen gemacht. Hier stimmt es wahrlich: “Man kommt als Fremder und geht als Freund“. Wir würden noch eine kleine Erkundungstour durch Vila Nova de Milfontes drehen, bevor wir über den Mira übersetzen würden. Der Ort liegt reizvoll oberhalb des Flusses Rio Mira und nur einige Hundert Meter entfernt mündet der Fluss in den Atlantik. Über dem Fluss befindet sich die Festung São Clemente, welche um 1599 erbaut wurde. Sie diente einst für die Verteidigung des Hafens gegen nordafrikanische Piraten.

Rota Vicentina - Hafen von Vila Nova del Milfontes

So sehen wahre Hafenarbeiter in Vila Nova de Milfontes an der Costa Vicentina aus, Alentejo, Portugal – Foto: Mario Hübner

 

Rückwirkend betrachtet ist Vila Nova de Milfontes der ideale Ort zum Einkaufen beim Wandern auf der Rota Vicentina. Es gibt viele Läden, eine Markthalle mit regionalen Produkten und wer ein paar Mitbringsel für die Heimat erwerben möchte, der sollte dies hier tun und dann die Sachen in seinem Gepäck von Unterkunft zu Unterkunft transportieren lassen. Das ist das Praktische an so einem „Individuellen Wanderurlaub“ wie von Wikinger Reisen. In den weiteren Orten welche wir bei unserer Wanderung auf der Rota Vicentina passieren würden, war die Auswahl sehr klein. Wir wurden fündig im schönen und gut sortierten Pão Café & Companhia.

Rota Vicentina - Vila Nova de Milfontes

Blick zum Ort Vila Nova de Milfontes an der Costa Vicentina, Alentejo, Portugal – Foto: Mario Hübner

 

An der Festung São Clemente stiegen wird die Treppen hinab zum Rio Miro, um von hier mit einem Schiff zur anderen Flußseite überzusetzen. Man muss nur rechtzeitig telefonisch die Überfahrt ausmachen. Die Fahrt selbst kostet etwa 5 bis 10 Euro pro Person, möchte man diese nicht investieren, kann man sich auch zu Fuß auf den etwas längeren Weg über die Brücke machen. Natürlich lässt sich auch ein Transport zum Startpunkt der heutigen Etappe auf der anderen Seite des Rio Mira organisieren. Jeder kann es machen, wie es ihm beliebt.

Rota Vicentina - Treppen zum Faehranlieger

Weisse Treppen führen von der Festung São Clemente hinab zum Fähranlieger – Foto: Mario Hübner

 

Am Fähranleger wurden wir schon erwartet. Die Wandersaison neigte sich jetzt rasant dem Ende entgegen und die Betreiber von Maresia Milfontes der Fähre würden nächste Woche dann in die Winterpause gehen. Wir hatten das Glück und Sie machten mit uns eine kleine Rundfahrt, so, dass wir einen schönen Eindruck von Vila Nova de Milfontes bekamen. Erst bis hinter die Brücke und dann ging es in Richtung Flussmündung, wo wir die Wellenbrandung sahen. Sie bugsierten das Schiff aufgrund der Gezeiten nahe an den Sandstrand und mit einem beherzten Sprung landeten wir trocken an Land.

Rota Vicentina - Faehrboot

“Maresia Sines” das Boot mit welchem man über den Rio Miro übersetzen kann in Vila Nova de Milfontes – Foto: Mario Hübner

 

Wir machten einen kleinen Abstecher in Richtung Flussmündung zum Strand Praia das Furnas, um die Brandung auf uns wirken zu lassen. Eine schwarze Wolkenfront näherte sich rasch und ehe wir uns wetterfest angezogen hatten, prasselte das Wasser kurz auf uns herunter. Der Regen zog an der Küste entlang in unsere Laufrichtung aber uns war das egal, denn schließlich liefen wir jetzt im Trockenen hinterher.

 

Rota Vicentina - Flussmuendung Rio Mira

Die Flussmündung des Rio Mira ist nicht weit – Foto: Mario Hübner

 

Die Holzstege am Strand führten uns durch die Dünen hindurch zu einer Straße welcher wir folgten. Hinter dem Beach Club nahmen wir links eine kleine Straße um auf das höhergelegene Plateau zu gelangen. Hier biegt der Fischerpfad von der Straße ab und wir wandern neben Feldern her. Es dauert nicht lange und schon führt uns die Route wieder zurück ans Meer und schlängelt sich erst am Sandstrand und dann an den Steilufern entlang.

Rota Vicentina - Praia das Furnas

Dunkle Regenwolken am Strand Praia das Furnas in Vila Nova de Milfontes – Foto: Mario Hübner

 

Felsen, Wellen, Wind, blauer Himmel mit schnellziehenden Wolken und der Geruch des Atlantiks lagen in der Luft. Beim Rückblick sahen wir die weißen Häuser von Vila Nova de Milfontes in der Ferne strahlen. Küstenabschnitte wechselten sich mit landwirtschaftlichen Abschnitten ab und bald wanderten wir durch einen niedrigen Akazienwald. Kurze Zeit später begegneten wir zwei kanadischen Mädels, welche etwa eine Stunde vor uns in Vila Nova de Milfontes gestartet waren und die schwarze Wolkenfront in vollem Umfang abbekommen hatten. Sie sahen Beide sehr nass und unzufrieden aus.

Rota Vicentina - Fischerpfad

Herrlich die Küstenabschnitte auf der Rota Vicentina – Foto: Mario Hübner

 

Wir wanderten an einem verlassenen Haus vorbei und erreichten den Strand Praja do Brejo Largo. Das Wetter änderte sich wieder schnell, der blaue Himmel verschwand, Wolken tauchten auf und die Brise wurde stärker, so, dass wir uns mit unseren Jacken wappneten. Der nächste Regen ließ nicht lange auf sich warten. Nach einiger Zeit blickten wir von der Steilküste auf eine vor uns liegende Flussmündung am Praia da Foz dos Ouriços hinunter und dahinter nicht weit entfernt, sahen wir in den grünen Hügeln die Häuser von Almograve.

Rota Vicentina - Kleine Klippen und Landzungen

Kleine Klippen und Landzungen auf der Rota Vicentina – Foto: Mario Hübner

 

Zu unserer Unterkunft war es nun nicht mehr so weit. Wir wanderten landeinwärts erreichten nach bald eine Straße. Rechts ging es in das Zentrum nach Almograve links in Richtung Longueira, wo unsere Unterkunft das Monte Novo da Longueira lag. Ein kurzer Abstecher führte uns einige Minuten nach Almograve hinein, aber hier gab es nichts zu sehen und so liefen wir die Straße zurück und weiter in Richtung Longueira.

Rota Vicentina - Die Weite geniessen

Die Weite des Atlantiks geniessen – Foto: Mario Hübner

 

Am Ortseingang ging es links eine kleine Anhöhe hinauf und dann wieder etwas hinunter am Ende einer Straße wo das schöne Monte Novo da Longueira lag. In frischen Farben leuchtete die Unterkunft in Weiß und lila. Als wir das Grundstück betraten erkannten wir erst die L-förmige Bauweise der Unterkunft. In der Mitte gab es einen Pool und ringsum waren die Unterkünfte, so das jedes Appartement eine kleine überdachte Terrasse hatte. Hinter dem Haus befanden sich ein Weinfeld, Wiesen und Garten.

Rota Vicentina - Praja do Brejo Largo

Blick entlang des Praja do Brejo Largo auf der Rota Vicentina – Foto: Mario Hübner

 

Im Sommer sicherlich ein Idyll, was zum Verweilen einlädt. Draußen auf der Wiese am Pool liegen, den Vögeln in den Sträuchern und Bäumen zuschauen und den Duft der vielen Blumen genießen. Zu dieser späten Jahreszeit war der Pool leider nicht mehr in Betrieb. Bei dem feuchten Wetter hätte es uns heute sowieso nicht in den Pool gelockt.

Rota Vicentina - Praja do Brejo Largo

Blick zurück entlang des Praja do Brejo Largo auf der Rota Vicentina – Foto: Mario Hübner

 

Wir bezogen unser Zimmer, richteten uns ein und nach einer warmen Dusche faulenzten wir einfach. Bei dem schlechten Wetter nochmal ausgehen zum Essen, hatten wir irgendwie keine Lust und plünderten den Käse, Wurst und Brot aus unserem Rucksack und als Dessert gab es noch etwas leckeren Kuchen von unseren Gastgebern Idália und António in Vila Nova de Milfontes und so endete unsere zweite Etappe auf der Rota Vicentina in Longueira.

 

Rota Vicentina - Praia da Foz dos Ouricos

Blick zur Flussmündung am Praia da Foz dos Ouriços und hinten im Hintergrund ist Almograve zu sehen – Foto: Mario Hübner

 

Hier könnt ihr lesen, was bei unserer Wanderreise auf der Rota Vicentina noch geschah:

Rota Vicentina (Teil 1) – Auf dem Fischerpfad an der wilden Costa Vicentina wandern…

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Routenverlauf unserer Wanderung auf dem Fischerpfad:


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Reiseinfos:

Anreise:

Anreise mit dem Flugzeug: Sie fliegen nach Lissabon oder Faro. Vom Busbahnhof in Lissabon besteht einmal täglich eine Busverbindung nach Porto Covo. Ansonsten steuert noch das Busunternehmen Rede Expresso von Lissabon oder Lagos jeden größeren Ort der Region an. Oder Sie buchen einen Flughafentransfer (ca. 2 Stunden Fahrtzeit) von den Flughäfen in Lissabon oder Faro zum Ausgangspunkt Porto Covo und später vom Endpunkt Odeceixe zurück nach Lissabon oder Faro.

Beste Jahreszeit:
Zum Wandern bietetet sich am besten der Frühling und Frühsommer (März bis Juni) wenn die vielen Blumen blühen, sowie die Herbstmonate (September bis Anfang November), wenn das Meerwasser noch angenehm warm zum Baden ist. Die Sommermonate (Juli/August) sind wegen der Hitze nicht zu empfehlen, außerdem sind die Strände dann so überfüllt, das man die Natur nicht genießen kann.

Die Recherche erfolgte mit freundlicher Unterstützung

von Wikinger Reisen.

Text & Bilder: Mario Hübner

Schöne Bergtouren Team

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